Musikalisches Plädoyer für den Frieden

von Redaktion

Pippo Pollina und Akustik-Quartett geben ausverkauftes Konzert im Ballhaus Rosenheim

Rosenheim – Bereits geraume Zeit vor dem Einlass hatte sich bis vor die Tore des Ballhauses eine lange Schlange von Besuchern gebildet, die sich die besten Plätze im restlos ausverkauften Stucksaal sichern wollten. Rosenheim stellt für den charismatischen Liedermacher Pippo Pollina auf jeder seiner Tourneen seit Jahren einen fixen Termin dar – nicht zuletzt wegen seiner musikalischen Zusammenarbeit für etliche seiner mittlerweile 25 Alben mit Martin Kälberer. Ganz gleich, in welcher Formation er die Region besucht – volles Haus ist ihm garantiert.

Dieses Mal begeistert er sein Publikum zusammen mit den virtuosen Musikern seines „Akustik-Quartetts“ um die Cellistin und Sängerin Cecile Grüebler, Elisa Sandrini (Gesang, Klavier, Akkordeon), den Perkussionisten Gionata Colaprisca und den unverzichtbaren Klarinettisten und Saxofonisten Roberto Petroli, der ihn seit mittlerweile 15 Jahren musikalisch begleitet.

Mit politischen
und sozialen Statements

So unspektakulär-spektakulär wie Pippo Pollina seinen Solo-Auftritt 2024 im Ballhaus ausklingen ließ – mit seiner Gitarre durch den Saal schlendernd, wie einst als Straßenmusikant – so begann er auch sein aktuelles Programm „La vita è bella così com’è“ („Das Leben ist schön, so wie es ist“). Das Publikum verfolgte gebannt seinen Einzug auf die Bühne zu den Klängen von „A mani basse“, seine musikalische Hommage an Muhammad Ali. Die große Bedeutung und die Macht der Musik, sei es für ihn als Künstler, sei es im Allgemeinen, fand Ausdruck im melancholisch-optimistischen Stück „Una musica anche domani“, das stimmlich hervorragend unterstützt durch Grüebler und Sandrini zugleich zart als auch kraftvoll wirkte. Mit „Hasta Siempre“ aus dem aktuellen Album setzte Pollina dem äußerst bescheidenen, 2025 in hohem Alter verstorbenen ehemaligen Staatschef Uruguays, Pepe Mujica, ein musikalisches Denkmal.

Seit jeher sind die Musik und das Wirken Pollinas niemals seichte Unterhaltung im luftleeren Raum, sondern immer politisches oder soziales Statement, das poetisch und melodisch auf einzigartige Weise verpackt ist. So widmet er sein aktuelles Album „Tra Guerra e Pace“ („Zwischen Krieg und Frieden“) all denjenigen, die aktuell unter den Folgen kriegerischer Handlungen leiden müssen. Das Cover ziert ein Schwarz-Weiß-Foto aus dem Jahr 1944, das seinen Onkel mit seiner Band zeigt, die im anglo-amerikanisch besetzten Sizilien den Bewohnern der Dörfer mit ihrer Musik Mut machten.

Dem mittlerweile fast schon zum Nebenschauplatz gewordenen Konflikt zwischen Israel und Palästina ist das orientalisch anmutende und aufrüttelnde Lied „Free Palästina“ gewidmet, stimmlich eindringlich von Elisa Sandrini mitgetragen. Im nachdenklichen „Vita d`Artista“ wurden die Lebensumstände des Künstlers, der ständig auf Reisen ist und Familie und Karriere unter einen Hut bringen muss, thematisiert, bevor eine intensive, sambaartige Percussion-Einlage mit verschiedenen Instrumenten das Ballhaus vor der Pause zum Beben brachte.

Nach dem beschwingten, ausgiebig instrumental eingestimmten Flug eines Milans, „Il nibbio“, thematisierte Pollina mit „Rosabianca“ die in Italien weniger bekannte Geschichte der Widerstandsbewegung „Die Weiße Rose“. Er sehe es als Aufgabe der Künstler, die Erinnerung durch Poesie und Emotionen wachzuhalten, so Pollina. Eine Mundharmonika verlieh dem Stück, das mit dem wiederholten Ruf „Es lebe die Freiheit!“ endete, Bob-Dylan- Charme. Einen Sonderapplaus erntete Cecile Grüebler, dank derer die Zuschauer die intensive, klagende Originalversion der 2003 aufgenommenen Hymne „Sambadiò“, untermalt von einer pontischen Lyra, erleben konnten. Den melancholischen Titelsong des Programms performte Pollina mit dominanter, rauchiger Stimme am Klavier, bevor der Lust auf Sommer und Meer machende Klassiker „Mare Mare Mare“, unterstützt durch die klangvollen Frauenstimmen und eine jubilierende Klarinette den Endspurt des Programms einleitete.

Nach dem fröhlich-rockigen „Chiaramonte Gulfi“, das dem bestens aufgelegten Ensemble begeistert aufgenommene Instrumental-Soli bescherte, und mit Standing Ovations belohnt wurde, kehrten Pollina und sein Akustik Quartett unter vehementem Applaus für zwei Zugaben auf die Bühne zurück – zunächst das zarte, in sizilianischem Dialekt verfasste „Banneri“, das den Stucksaal mit Pollinas Erinnerungen an flirrend heiße Nachmittage im endlosen süditalienischen Sommer erfüllte, bevor das Publikum bei den ersten Takten des Musik gewordenen Gleichnisses seines Lebens, „Camminando“, aufsprang und mitklatschte. Ein emotionaler Konzertabend, der auch durch seine intensiven Botschaften noch lange nachhallen wird.

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