Hoagascht mit vielen Überraschungen

von Redaktion

Trachtenverein Rosenheim I Stamm lädt zum 60. Mal zum gemeinsamen Musizieren

Rosenheim – Mit Liedern und Stückln wie „Im Fruahjahr wanns grea wird“ oder „Im Fruajahr wann da Schnee weggeht“ ist schon die Tonart gefunden, die das abwechslungsreiche Programm des Rosenheimer Hoagaschts prägt, der heuer in alter Frische sein 60-jähriges Jubiläum feiern konnte. Moderator Siamak Golshani, selbst ein volksmusikalisches Rosenheimer Urgestein, konnte etliche prominente Ehrengäste begrüßen und hatte auch gleich ein passendes Gschichtl zum Thema Frühling parat: „Do hob i moi zwoa Pinguin ratschn ghört, sogt da oa zum andern ‚schau moi, as Thermometer zoagt 30 Grod unter null‘, sagt da andere ‚ja super endlich werd Frühling‘!“

Musik wärmt die
Herzen des Publikums

Nun, die Betriebstemperatur im Kulturtempel Kuko war erheblich höher, und als dann durch die frische und aufmunternde Musik auch die Herzen der großen und treuen Fan-Gemeinde erwärmt waren, ließ die Stimmung im Saal nichts zu wünschen übrig. Natürlich ging es nicht nur um die schönste Jahreszeit, sondern auch um Dinge, die diesen Zeitabschnitt so besonders attraktiv und prickelnd gestalten. Der anmutige Dreigsang, der sich „Oberstoaleitn Gsang“ nennt, sinnierte klangschön und ausdrucksvoll vom „Saubern Jagasbua“. Und die gstandnen Chiemgauer Sänger betonten selbstbewusst „Bin i an jungs Bürschei“! Na dann…

60 Jahre – das bedeutet laut Ansage 62-mal Planung und Programmgestaltung. Wo liegt der Rechenfehler? Nein, die Pandemie hatte da einen bösen Strich durch die Rechnung gemacht.

Aber die Statistik, welche Siamak Golshani zum Besten gab, ist dennoch imponierend: 491 Gruppen standen auf den Programmen und es wurden sage und schreibe 2.455 Lieder und Stücke dem stets dankbar aufnahmebereiten Publikum präsentiert.

Die Namen auch nur dieses jüngsten Konzerts zu nennen, würde den Rahmen sprengen. Aber wenigstens sollen die fünf Gruppen, welche die große Bühne füllten, gebührend gewürdigt werden. Die umfangreichste Formation mit den gewichtigsten Instrumenten (Blech!) war „d’Oberlauser Tanzlmusi“. Sie seien längst keine „Lausbuben“ mehr: 40 Jahre haben sie bis jetzt durchgehalten… Und nach dem Grundsatz „bairisch ist fein“ musizierten sie entsprechend sensibel, ließen es nicht krachen, sondern kosteten die Klänge genüsslich aus, auch im Forte. Zur rhythmischen Grundierung standen den Bläsern noch Harfe, Hackbrett und Ziach zur Seite – eine pikante Klangmischung! Da hätte man gerne mitgetanzt beim „Stampfl Boarischen“ oder „WäDo Walzer“ oder gar beim Walzer „Für zwoa Valiabte“. Die beiden Gesangsgruppen repräsentierten sowohl die Männer- wie die Frauenstimmen. Der „Oberstoaleitn Gsang“ besteht aus drei jungen Damen, die mit ebenso anmutigen wie fülligen Stimmen uns „Übern See“ führen und uns die Idylle „Do druntn beim Bachei“ charmant schmackhaft machen.

Die vier Chiemgauer Sänger wagten mit männlich zupackendem Schwung „An Sprung übers Wasserl“ und erfreuten mit ihren so akkuraten Jodlern. Ihre perfekte Intonation ließ ihre Stimmen leuchten und brachte Obertöne zum Schwingen. Vier Musikerinnen fanden zur „Gernbach Zithermusi“ zusammen. Sie brillierten nicht nur mit dem „Berblinger Walzer“, sondern auch dem Landler „De Scheene“. Herrlich der glitzernde Klang der gezupften Saiten! Schön, dass für Nachwuchs gesorgt ist: Alle vier zusammen haben 15 Kinder. Das lässt doch auf viele musikalische Gene hoffen…

Nicht zuletzt der Gastgeber, die „Stamm I Ziachmusi“. Siamak Golshani wurde locker seiner Doppelrolle gerecht: Einmal als moderierender Stimmungsmacher das Publikum unterhaltsam durchs Programm zu lotsen und dann wieder zur Posaune zu greifen, um seiner Ziachmusi das nötige Bass-Fundament zu verpassen. Urige Titel wie „Dampfeisenbahn“ oder „Ich und der Mond“ zeigten schon die Bandbreite ihres Angebots.

Zum Schluss kommen noch
mal alle auf die Bühne

Wenn schon alle Gruppen auf der Bühne präsent waren, so war es nur folgerichtig, dass die ultimativ letzte Zugabe vom gesamten Aufgebot bestritten wurde. Diese Zugabe heizte nochmal so richtig ein (die anfangs erwähnten Pinguine wären bei dieser Temperatur schon verschmort) und noch im effektvollen Schlussakkord explodierte tobender Applaus. Weitere 60 Jahre erfolgreiche Hoagaschts zu wünschen wäre etwas zu vollmundig geplaudert. Aber zehn weitere geglückte Jahre wären vorerst eine realistische Perspektive!

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