Seeon – „Man schrieb das Jahr 994, als Pfalzgraf Aribo I. und seine Ehefrau Adala auf der Insel im Klostersee das Benediktinerkloster Seeon gründeten.“ So beginnt der Essay „Über 1000 Jahre Geschichte“, gedruckt auf zwei Seiten eines aufgeschlagenen Buches der Station Bräuhausen am „Seerosenweg Seeon“. Von wo aus der Seeon wandernd erkundende Mensch einen spektakulären Blick auf die doppeltürmige Klosterkirche nebst Sankt Walburg hat.
Auf Abbildungen im Buch: eine Innenansicht von St. Lambert, anno 1200 geweiht, dazu ein Renaissance-Fresko von 1579 mit dem Klostergründer-Paar. Auf diesem Fleckchen Erde tat sich viel. Seeon erfuhr im Lauf von zehn Jahrhunderten immer wieder Veränderung, Erneuerung, Ergänzung, Wandlung.
Unterhaltsam und
höchst informativ
Zu seiner wechselvollen Geschichte wurde nun eine in vielen Farben – in Form von Zeitleisten, Fotografien, Dokumente, Gemälde und Statements – funkelnde, die zahlreichen Umgestaltungen widerspiegelnde, fröhlich stimmende und zugleich höchst informative Dauerausstellung geschaffen: „Kloster Seeon – 994 bis heute“. Wer sich Zeit nimmt und historisches Interesse mitbringt, kann im Haupthaus die Geschichte einer sonderbar schönen Benediktiner-Wirkungsstätte der bayerisch-besonderen Art in Bildern und Lesetexten verfolgen.
Seeon gehört als bedeutendes geistliches und kulturelles Zentrum des Chiemgaus zu den „Musts“ einer Südostbayern-Reise. Die Ausstellungs-Chronologie ist betörend und überraschend. Geistliches und Weltliches greift ineinander, bedingt sich und erträgt einander. Mit dem Verweis auf initiatives mönchisches Leben unter dem Motto „ora et labora“, der Seeoner Besonderheit eine frühe benediktinische Schreibschule, die exemplarische Verbindung von Klösterlichem zu Adligem im Fall der als Erben wirkenden Herzöge von Leuchtenberg, auf Orgelspiel und musikalische Barock-Kultur – immerhin hat „Wolferl“ Mozart hier Spuren hinterlassen – und nicht zuletzt (und doch zuletzt) auf musische und literarische Bildung; denn was früher Kloster war, ist heute ein vielbeachtetes, gut besuchtes, durch zahlreiche kulturelle Veranstaltungen ausstrahlendes modernes Kultur- und Bildungszentrum des Bezirks Oberbayern.
Kaum zu glauben: Seeon war, als eines der Opfer der bayerischen Säkularisation 1803, Schauplatz mehrerer Lebens-Ebenen: Kurbad, Adels-Schloss, Flüchtlingslager, Lazarett, Bundesgrenzschutz-Schule, Heimatvertriebenen-Herberge, Bereitschaftspolizei-Kaserne, ja auch Möbelfabrik und – zumindest geplant – Seehotel.
In dieser Dauerausstellung zur Klostergeschichte Seeon wird’s einem nicht langweilig. Star-Besucher Wolfgang Amadeus Mozart prangt als junger Mann auf einem Ölgemälde, Fotografien einer leibhaftigen Kaiserin-Witwe von Brasilien lassen staunen und machen den Gang durch die Haus-Geschichte zum Promi-Ereignis. Zu alldem hat wesentlich das lange gehütete, nun endlich Realität gewordene Konzept der einstigen überaus engagierten und tüchtigen Kulturabteilungsleiterin Susanne Schubert beigetragen, das der Unterstützung der Landesstelle der nichtstaatlichen Museen, vertreten durch Stefan Kley, sicher sein konnte.
Heute „regieren“ im Kultur- und Bildungszentrum Seeon unter Gerald Schölzels Leitung vor allem weitere Damen. Etwa der Haushistorikerinnen Johanna Binder und Hedwig Amann. So ändern sich die Zeiten. Nichts Klösterliches mehr, Adeliges allerdings noch immer – des 200. Todestags von Vizekönig Eugène de Beauharnais‘ wird bis zum 17. Mai in einer Schau gedacht.
„Gelebt, gearbeitet,
gebetet und gestaltet“
Alles, bei guter Beziehung zu Salzburg und zu heimischen Künstlern, stets im Einvernehmen mit der Erzdiözese München-Freising und dem Bezirk Oberbayern. Dessen Präsident Thomas Schwarzenberger ließ es sich nicht nehmen, die neue Dauerausstellung feierlich zu eröffnen. Für ihn ist Seeon einer der Orte, „bei denen man sofort spürt, dass hier über Jahrhunderte hinweg gelebt, gearbeitet, gebetet, gedacht und gestaltet wurde. Manche würden sagen: ein Kraftort“.