Traunstein – Restlos ausverkauft war der große Saal in der Aula der Berufsschule beim jüngsten sinfonischen Konzert des Musikkollegiums Traunstein unter der Leitung von Augustin Spiel. Wieder war es Augustin Spiel gelungen, ein wunderschönes, aufeinander abgestimmtes Programm auszuwählen und die Akteure des Orchesters genauso wie das Publikum dafür zu begeistern. Den Anfang machte Franz Schuberts dritte Sinfonie in D-Dur. In ihrer strahlenden Heiterkeit, Melodienfülle und ihrem Wiener Charme versetzte sie das Publikum sogleich in fröhliche, erwartungsfrohe Stimmung.
Es folgte das Concerto pour harpe et orchestre von Francois-Adrien Boieldieu in vier Sätzen. Als Solistin an der Harfe brillierte „Lokalmatadorin“ Silke Aichhorn, der es immer wieder gelingt, oft vergessene Kompositionen für Harfe aus der Versenkung zu holen. Bei ihrem Spiel faszinieren ihr inspiriertes, meisterhaft virtuoses Spiel ebenso wie die unterschiedlichen Klangfarben, die sie der Harfe zu entlocken versteht.
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war ein leider selten gespieltes Werk, das in seiner tänzerischen Fröhlichkeit eine Bereicherung der Musikliteratur darstellt, nämlich Charles Gounods Ballettmusik zur Oper „Faust“. Die Oper entstand 1859 als opera comique und beschränkte sich im Wesentlichen auf die Liebesgeschichte zwischen Doktor Faustus und Gretchen. Zehn Jahre nach der Uraufführung schuf Gounod noch Orchesterrezitative und ein Ballett für den fünften Akt, wobei Mephisto Faust in sein Reich in der Walpurgisnacht führt: Erstes dieser sieben Stücke, ein Allegretto, ist ein Walzer der nubischen Frauen, die als besonders schön und begehrenswert galten: musikalische Exzesse der Walpurgisnacht.
Nach dem Adagio, „zur Gemütsberuhigung“, wie Gustl Spiel kommentierte, folgten der Danse antique, wieder ein Allegretto und Variations de Cleopatra als Moderato maestoso. Das letzte Stück ist der „Danse de Phrynè“, einer Hetäre, die als schönste Frau Athens galt. Gounods siebtes Ballettstück stellt das in vielen Mythen thematisierte Tribunal gegen Phrynè dar, die wegen „schamlosen Verhaltens“ angeklagt wurde. Um die Richter von ihrer Unschuld zu überzeugen, riss sie sich die Kleider vom Leib, so dass die Richter glaubten, die Göttin Aphrodite selbst zu sehen, so dass sie natürlich freigesprochen wurde.
Augustin Spiel versteht es immer wieder, eine gute Atmosphäre zu schaffen: Solisten wie auch die anderen Orchestermitglieder motiviert er mit kleinen Gesten oder nur Blicken so, dass er gleichsam das Beste aus ihnen herausholt. So durfte das Publikum wieder ein technisch versiertes und bestens aufeinander eingespieltes Orchester mit rund 40 Mitwirkenden aus der Region genießen. Reichhaltig bis ins letzte Detail waren ihr Formenreichtum, ihre Koloristik und harmonische Wirkung, die das hoch konzentrierte Orchester des Musikkollegiums mit Schwung, Schönheit und Glanz spielte. Das Publikum spendete am Ende jubelnden Applaus. Christiane Giesen