Mit mühelos klingender Eleganz

von Redaktion

Sebastian Klinger spielt drei von Bachs Cello-Suiten im Wasserburger Rathaussaal

Wasserburg – Der Rathaussaal war erstaunlicherweise sehr gut gefüllt, obwohl auf der Bühne nur ein Solist saß und eine recht hermetische Musik darbot: drei der sechs Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach. „Sie sind die Quintessenz von Bachs Schaffen, und Bach selbst ist die Quintessenz aller Musik“, sagte Pablo Casals, der diese Musik gleichsam wiederentdeckt hatte. Man durfte hier bei den Wasserburger Rathauskonzerten also die Quintessenz aller Musik hören. Diese Cello-Suiten umgibt immer eine eigene Aura, fast eine sakrale Atmosphäre, der Solist bekommt damit etwas Hohepriesterliches.

Hellstrahlender Klang auf
historischem Instrument

Der Hohepriester hieß Sebastian Klinger. Das aus Holz gebaute Cello klingt in dem Saal, in dem viel Holz verbaut ist, eh schon schön, Klingers Cello aber, von Camillus Camilli 1736 in Mantua gebaut, verströmte von Anfang an einen verzaubernden volltönenden, blühenden und hellstrahlenden Klang. Und Klinger kann dieses Instrument bezaubernd singen lassen, alles kam in immer edel klingendem lyrischen Fluss, dabei immer elegant und scheinbar mühelos selbst in den schwierigsten Passagen.

Die Suiten gehorchen ja einer sich stets wiederholenden Abfolge von stilisierten barocken Tänzen. Der Solist muss hier also die Wiederholung so gestalten, als ob immer Neues sich ereignen würde. Und Sebastian Klinger gelang es, jedem einzelnen Satz dessen Charakteristik zu entlocken.

Festlich strahlende Freude herrscht in der C-Dur-Suite Nr. 3. Die absteigenden Tonleitern und Dreiklänge im Préludes belebte Klinger immer wieder, die sich wiederholenden Figuren der Allemande führte er immer wieder von Neuem vor, eleganter Schwung dominierte in der schnellen Courante. In der versonnen verweilenden Sarabande konnte man Klinger fasziniert beim Sinnen nicht nur zuhören, sondern auch zuschauen.

Vergnügt schmunzelnd ließ er die c-Moll-Bourrée dahinschnurren und in rauschhafter finaler Lust spielte sich Klinger geradezu mit den virtuosen Kunstgriffen und Effekten der Gigue. Die Suite Nr. 4 wird seltener gespielt – vielleicht, weil sie in Es-Dur steht, das für Cellisten unangenehmer zu spielen ist. Aber auch hier floss alles mühelos, ohne Nachdruck, überhaupt ohne Druck, die rhythmisch so vielschichtige Courante ebenso wie die rasante Gigue. Zentrum aber war hier wieder mal die Sarabande mit der graziös-wehmütigen Melodie.

Auf Cello
mit fünf Saiten

Der ganze zweite Teil gehörte der ausgedehnten letzten Suite in der festlich- prachtvollen Tonart D-Dur. Bach fordert hier wegen des erweiterten Tonumfangs in der Höhe ein fünfsaitiges Cello. Viele Cellisten behelfen sich mit Kunstgriffen bei ihrem viersaitigen Instrument, Klinger wählte wirklich eines mit fünf Saiten. Die verlangten hohen Töne kamen bei ihm natürlich aufstrahlend und schwelgerisch singend. Hier ist es die Allemande, die so kantabel fließt, von Klinger in goldflüssigen Klang getaucht und mit viel Ausdruck dargeboten genauso wie die sinnliche Sextenseligkeit in der Sarabande.

Mit animierter Tanzbodenlust stürzte sich Klinger in die Courante mit den immer länger werdenden Sechzehntelketten, in die Gavotte mit den Dudelsackklängen und dann in die stürmische Gigue, die mit den Hornquinten samt Echo wie der Auftakt zu einer Parforce-Jagd über Stock und Stein, Hecken und Gräben wirkt, von Klinger mit unbändiger Spiellust geritten. Den sofort aufbrandenden Beifall mit Bravo-Rufen und sanftem Füßegetrampel beantwortete Klinger mit einer Wiederholung der Allemande der D-Dur-Suite, die sich jetzt nochmals edler und schöner anhörte.

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