Rosenheim – Quadro Nuevo spielt auch heuer wieder, wie in den vergangenen Jahren, ein Konzert passend zur aktuellen Ausstellung im Lokschuppen, die sich mit den antiken Römern beschäftigt. Deutschlands bekannteste „Weltmusik“-Formation hat ihre eigenen Ursprünge in italienischen Klängen. Unter dem Motto „Canzone della Strada“, auf den Plakaten mit italienischem Kleinwagen und Kolosseum inszeniert, tritt Quadro Nuevo am Mittwoch, 15. April, im Kultur- und Kongresszentrum auf. Gäste sind diesmal „Ganes“ aus Südtirol und die „Abenteurer“. Wir sprachen mit Saxofonist und Bandleader Mulo Francel über italienische Inspirationen und das Programm des Abends.
Lieber Mulo Francel, das Motto des Eröffnungskonzerts zur „Römer“-Ausstellung lautet „Canzone della Strada“ wie eines eurer ersten Alben – geht es damit nach 30 Jahren Quadro Nuevo noch mal zurück zu den musikalischen Wurzeln?
Ja, wir spielen wieder in unserer Original-Instrumentierung mit Saxofon, Akkordeon, Bass und vor allem Gitarre. So haben wir vor 30 Jahren angefangen. Und so sind wir auch einst als Straßenmusiker über die Plätze des mediterranen Südens gezogen, deren Pflastersteine abends noch von der Glut des Tages sommerlich warm waren. Wir haben den fantastischen jungen Gitarristen Philipp Schiepek dabei, der gerade den Bayerischen Kunstförderpreis erhielt und zum jüngsten Jazzprofessor Deutschlands wurde. Wir sehen „Canzone della Strada“ aber auch als unser Motto, denn viele unserer Lieder haben wir unterwegs aufgelesen. Die Reise nährt die Musik. Das haben wir immer so erlebt.
Italien zieht sich ja als Thema schon lange durch eure Bandgeschichte – was zieht euch an an Italien, musikalisch und atmosphärisch?
Vieles an Italien ist gelebte Schönheit. Das empfinden viele Menschen nördlich der Alpen so. Angefangen von der Mode über die Landschaft, die Bauwerke, Städte wie Florenz und Venedig bis hin zur Kulinarik. Und natürlich entdecken wir auch in den alten romantischen Canzoni diese Schönheit. In der eleganten Melodieführung, in den warmen Harmonien. Lieder wie „Luna Rossa“ oder „Roma nun fa la stupida stasera“ werden wir natürlich spielen. Aber in Italien finden wir auch noch weitere Schichten unter dem, was uns die Gegenwart so präsentiert. Da sind zum einen die Denkmäler des römischen Weltreichs. Und dann, wenn man weiter in den Süden vordringt, die Reste der griechischen Kultur in Apulien, Sizilien oder auf den Äolischen Inseln, die wir wie Odysseus durchsegelten und uns inspirieren ließen. Und dann ist da noch Neapel als Schmelztiegel vieler kultureller Einflüsse, aus welcher die besonders intensive „Canzone Napoletana“ entstand. Ich werde meine neapolitanische Mandoline einpacken!
Sicher habt ihr auch einige Konzerte in Italien gespielt – welche Erinnerungen hast du dazu?
In Siena spielten wir auf diesem weltweit einmaligen Stadtplatz, der Piazza del Campo. Die Genehmigung zum Musizieren auf diesem Platz gibt es zwar theoretisch, aber wir bekamen keine. Zuerst fragten wir im Tourismus-Info. Die sagten uns, dass man die Genehmigung nur im Rathaus bekäme. Dort schickten sie uns zur Polizei. Da wiederum sagte man uns: „Solche Genehmigungen gibt es ausschließlich in der Touristen-Info.“ Also spielten wir ohne. Schon bei den ersten Songs bildete sich eine große Traube an Zuhörern um uns. Die Tausend-Lire-Scheine flatterten von allen Seiten in den aufgestellten Saxofon-Koffer. Dann kamen zwei Polizistinnen. Schick gekleidet in dunkelblauen Uniformen und mit weißen Helmen. Ein Lied dürften wir noch spielen: „e dopo stop!“. Dieses eine Lied wurde dann sehr lang, weil wir mehrere Stücke zusammenhängten zu einem endlosen Medley. Die Leute klatschten und übertönten damit die argumentierenden Ordnungshüter … Das war schön anarchisch und lustig.
Welche Musik und welche Instrumente spielte man denn im antiken Rom und seinem riesigen Weltreich?
Wir gehen diesmal weniger historisierend an das Thema ran, sondern lassen uns im Konzert mehr von der jeweiligen Musik der vielen Gebiete inspirieren, die einst zum großen römischen Weltreich gehörten. Dazu zählen auch Griechenland, Kleinasien, Ägypten und natürlich der Alpenraum.
Mit welcher Besetzung spielt ihr das Eröffnungskonzert und auf welche „Specials“ darf man gespannt sein?
Ich freue mich sehr, dass auch die „Abenteurer“ dabei sind. Deren Waldhornist Andreas Binder hat ein sehr schönes Concerto Italiano komponiert, welches wir im Trio erklingen lassen. Außerdem kann Quadro Nuevo zusammen mit ihnen ein fulminantes Großensemble bilden. Ganz besonders freue ich mich, wenn die Damen von Ganes mit ihrem ladinischen Gesang auf die Bühne kommen. Wir dürfen sie bei einigen Liedern begleiten. In den nächsten Tagen wählen wir gemeinsam die Lieder dafür aus.Andreas Friedrich