Bruckmühl – Zu einem inspirierenden Dialog laden die Kunstwerke von Octavia Hanel und Ulrike von der Osten in der Galerie Markt Bruckmühl ein – monochrom die hölzernen Skulpturen Hanels, verlockend in ihrer Farbe die Acrylbilder von der Ostens.
Wieder einmal haben die künstlerischen Beiräte zwei getrennte Bewerbungen mit kenntnisreichem Blick zusammengefügt, zur Begeisterung der beiden Kunstschaffenden selber und des zahlreich erschienenen Publikums.
Zwar stellt Octavia Hanel zum bereits dritten Mal in der Bruckmühler Galerie aus, aber sie hat Neues zu bieten. Ihrer Thematik und ihrem Material ist sie jedoch treu geblieben. Der Werkstoff für ihre Skulpturen ist Lindenholz, das sie, wenn das Kunstwerk fertiggestellt ist, mit feinstem Schleifpapier wieder und wieder bearbeitet, bis es nahezu strahlt. Eine zehnteilige Arbeit mit dem Titel „Wegbegleiter“ – auf eisernen Sockeln positioniert – begrüßt die Besucher. Jede Figur ist in individueller Form gestaltet. Keine trägt menschliche Züge und dennoch ist klar: Dies sind archaische Wesen, die zur Begleitung taugen.
In die Oberfläche hat Octavia Hanel linear verlaufende Rillen eingearbeitet, Linien, die von einer Gestalt zur nächsten überzuspringen scheinen und die damit die Kommunikation zwischen den „Begleitern“ sichtbar machen.
Kleine Figuren auf hohen Stangen, an Vögelchen erinnernd, tragen den Titel „Vokalisen“. Das sind gesangliche Übungen ohne Worte, und sie erzählen von Hanels frühkindlicher Begeisterung für Musik und ihre Prägung durch sie. Dasselbe tut ein Instrument mit dem Titel „Largo“. Ein großes Getreidekorn, aus Lindenholz gearbeitet, weist auf Octavia Hanels Überlegungen zur Entstehung allen Lebens hin.
Tuschezeichnungen, sinnstiftend im Haus verteilt, ergänzen ihre Präsentation. Hanel studierte Bildhauerei bei Professor Eduardo Paolozzi und lebt und arbeitet in Bruckmühl.
Anders Ulrike von der Osten: Sie hatte eine beträchtliche Anreise aus Offenbach bei Frankfurt. Ihre farbigen Bilder, alle mit Acryl auf Papier und hinter Glas gerahmt, sind in ihrer Intensität verblüffend. Zunächst erkennt man farbige Pinselstriche, mit kühn gegeneinander gesetzten Farben, sei es Pink neben Rot oder Blau neben anderen Farben. Die Pinsel hinterlassen breite Spuren – eine Linienstruktur voller Leben.
Aber bei genauerem Hinsehen entpuppt sich noch einiges andere. Man erkennt, dass kleinere Blätter auf das Grundblatt aufgelegt und auch farbig bemalt sind, unter Umständen mit einem Strich, der sich über beide Blätter fortsetzt. Eine plastische Wirkung wird durch diese Stapelung erzielt, ein architektonischer Effekt. Und dann folgt noch eine Besonderheit: Ulrike von der Osten malt treffgenau auf die Rückseite des Glases, darauf bedacht, den farblichen Anschluss zur Papiergestaltung exakt zu treffen. Sie erschafft so eine ganz eigene, zeitgemäße Variante der traditionsreichen Hinterglasmalerei. Ihre Bilder verlangen ein genaues Hinschauen, damit man alle Feinheiten der raffinierten Gestaltung erkennt.
Sie studierte an der Akademie für Bildende Künste in Nürnberg bei Professor Georg K. Pfahler und ist seit 2021 an der Europäischen Kunstakademie in Trier tätig. Beide Künstlerinnen versinnbildlichen in ihren Arbeiten Rhythmus und Schwingung, das macht die Ausstellung so lebendig.
Ute Bößwetter