Aschau im Chiemgau – „Einmal muss Schluss sein:“ Rudolph Distler hört nach 35 Jahren als Vorsitzender des Vereins Kunst und Kultur zu Hohenaschau auf. Der gelernte Lithograf, Maler und Impresario des Kunstvereins hat mehr oder weniger allein 35 Jahre lang den Verein gelebt. Hat Künstler für die Ausstellungen in der Festhalle, früher im Amtshaus, ausgewählt, hat sich um alles Organisatorische, von den Flyern und Plakaten bis hin zu Einladungen, gekümmert, hat die Werke gehängt und alle Ausstellungen betreut. Obwohl: Ganz allein war er nicht, gibt er zu. Seine beiden Weggefährten, Ralf Eger und Helmut Schindler, standen ihm stets zur Seite.
Er habe viele Ateliers in Deutschland abgefahren und sehr viel Recherche betrieben, sagt Distler. Nach fast einem Jahrzehnt am Golf von Salerno kehrte er Ende der 1970er-Jahre mit seiner damals jungen Familie aus verschiedenen Gründen nach Deutschland zurück: „Vom schönsten Platz der Erde in den nicht minder schönen Chiemgau.“ Vom Sacherl in Leitenberg in ein Wohnhaus samt Atelier in Hohenaschau.
Bis zu fünf
Ausstellungen im Jahr
In seinem geräumigen Atelier erzählt er, wie der Verein Kunst und Kultur in Aschau seinen Anfang nahm. 1991, das Amtshaus war gerade frisch renoviert, wollten der damalige Besitzer und andere Aschauer Kunstinteressierte etwas Besonderes schaffen. „Im Oktober 1991 haben wir den Verein gegründet und schon drei Monate später unsere erste Ausstellung eröffnet“, erinnert sich Distler. Jedes Jahr waren das bis zu fünf Ausstellungen. So mancher Kunstinteressierte begann zu sammeln. Einige Künstler kamen nicht nur einmal, anderen wiederum hat Distler erst die Bühne bereitet, damit diese sich einer breiten Öffentlichkeit präsentieren können.
Gern erinnert er sich noch an die Ausstellungen Klaus Fußmanns, dessen Farbstrecken in faszinierenden Landschaften und floralem Zauber aufgehen. Distler, dessen Werke oftmals selbst Landschaften – Variationen über Räume und Farbharmonien, wie es einmal Klaus Jörg Schönmetzler beschrieb – darstellen, nennt den Münchner Maler nicht nur deshalb einen guten Freund.
Oder der bulgarische junge Künstler Nikolay Karamfilov, der sich mit dem Erlös der verkauften Werke seinen Traum vom eigenen Atelier verwirklichen konnte. Oder Arno Rink, der 2017 verstarb. Ein begnadeter Künstler, sagt Distler, ein, wenn nicht der, Wegbereiter der sogenannten Leipziger Schule, zu deren bekanntesten Vertretern Neo Rauch, David Schnell und Christof Ruckhäberle gehören.
1995 hat Distler auch die Sommerakademie in Aschau gegründet, eine Institution, die fast 20 Jahre Bestand hatte. Ob er den Eindruck habe, dass Kunst und Kultur in unserer Gesellschaft an Bedeutung verlieren? Man neigt dazu, das zu bejahen, sagt Distler bedeutungsvoll. Der Bedeutungsverlust zeige sich in schwindendem Interesse seitens des Publikums an kleinen zeitgenössischen Ausstellungen. Im vergangenen Jahr habe er nicht ein Bild verkauft. Dabei lebt der Verein, der einmal 300, heute rund 190 Mitglieder aufweist, von den Mitgliedsbeiträgen und dem Verkauf der Kunstwerke. Auch manifestiere sich die schwindende Anerkennung von Kunst und Kultur in der Kürzung von Fördermitteln. Er wolle aber nicht jammern, fügt er schnell hinterher. Er habe es gern gemacht und viel dabei gelernt.
Zukunft des Vereins
noch offen
Ob der Verein Kunst und Kultur zu Hohenaschau allerdings weiter Bestand hat, könne er nicht vorhersagen. Es gebe zwei potenzielle Nachfolger, aber da sei noch nichts spruchreif. Für einen Kunstverein brauche es zudem ein großes Netzwerk. Vielleicht hilft die neue Ausstellung mit Werken des britischen Künstlers Ransome Stanley, den Fortbestand des Kultur- und Kunstvereins zu Hohenaschau zu sichern. Er selbst freut sich auf die freie Zeit. Er wird 80, aber ausruhen gilt nicht. Oh nein, er will endlich wieder mehr Zeit für sich haben, will wieder malen.