Rosenheim – Das Quartett Maxjoseph bot Volksmusikalisches mit Überraschungen in der Stadtbibliothek. Ein Konzertsaal der besonderen Art: Wo sonst gelesen und gelernt wird, verwandelte sich die Stadtbibliothek Rosenheim in einen intimen Klangraum für die Band Maxjoseph. Bibliotheksleiterin Susanne Delp leitete den Abend der Reihe „Oberbayerische Literat(o)uren“ ein.
Maxjoseph, bekannt für seine eigenwillige Verbindung aus Volksmusik, Jazz und klassischer Kammermusik, zog das Publikum mit einem abwechslungsreichen Programm schnell in seinen Bann. Von der ersten Minute an wurde deutlich, dass Maxjoseph nicht in gängige musikalische Schubladen passt. Mit Klarinette, Gitarre, Tuba und Steirischer Harmonika erschaffen die vier Musiker einen Sound, der zugleich vertraut und überraschend neu wirkt. Traditionelle Elemente aus der alpenländischen Volksmusik treffen auf improvisatorische Freiheit und komplexe Arrangements – ein Stil, der ebenso verspielt wie präzise ist. Zu den Höhepunkten des Abends zählten Eigenkompositionen wie „Punktkomma“, das mit rhythmischen Brüchen und feinen dynamischen Abstufungen überzeugte, sowie „Fleur“, ein lyrisches Stück, das durch seine fast schwebende Leichtigkeit bestach.
Mit „Pest Solis“ wagte sich die Band in klanglich dichtere Gefilde: Dissonante Passagen und treibende Rhythmen erzeugten eine spannungsgeladene Atmosphäre, viele ungewöhnliche Zusammenspiele wie zwischen Gitarre und Tuba sorgten für klangliche Überraschungen.
Gelungene Publikumsansprache und subtil kabarettistische Anmoderationen zu Vertonungen der Deutschen Bahn, frühgeschichtlichen Funden („der erste aufrecht gehende Mensch war ein Allgäuer“) oder einem Kampf der Insekten kamen gut an: „Wir glauben an Unglaublichkeit“, hieß es.
Neben modernen Kompositionen zeigte Maxjoseph auch seine Verbundenheit mit traditionellen Tanzformen. Walzerklänge wurden dabei nicht einfach reproduziert, sondern kunstvoll verfremdet und mit neuen harmonischen Wendungen versehen. Besonders eindrucksvoll gerieten die tangoinspirierten Stücke, in denen sich südamerikanische Melancholie mit bayerischer Erdung verband – ein ungewöhnlicher, aber überaus reizvoller Kontrast.
Das Publikum dankte es mit lang anhaltendem Applaus. Die besondere Nähe zwischen Musikern und Zuhörern, begünstigt durch den intimen Rahmen der Bibliothek, verlieh dem poetischen Abend eine fast kammermusikalische Intensität. „Das war Maxjoseph – Ihre neue Lieblingsband“ – mit diesem Spruch verabschiedeten sich die vier, der Tourneeplan ist gut gefüllt.
Andreas Friedrich