Bad Aibling – Auf der Bühne saßen 70 Blasmusiker, unten platzte der große Kursaal schier aus allen Nähten: Das sinfonische Blasorchester „Die Klangfabrik“ trat auf, ein Projektorchester in Südostbayern, zu dem aber auch Musiker bis aus Würzburg und aus Berchtesgaden zu den Probenwochenenden am Samerberg anreisen. Ziel sind immer ein bis zwei Konzerte jährlich mit anspruchsvoller sinfonischer Musik.
Anspruchsvolles
Programm gewählt
Und anspruchsvoll war die ausgewählte Musik in der Tat. Im Wesentlichen waren es Originalwerke, nur zwei Programmstücke waren Arrangements. Darunter „Nimrod“ aus den „Enigma-Variationen“ von Edward Elgar, arrangiert von Franco Cesarini, das in gemessener, gleichwohl gespannter Ruhe sich groß steigerte und dann wieder entspannte. Das Stück war so kurz, dass die Zuhörer nicht wussten, ob sie schon applaudieren durften oder mussten.
Länger war das letzte Stück, die Filmmusik zu „How to train your Dragon“, auf Deutsch „Drachenzähmen leicht gemacht“. Hier soll ein Wikinger-Teenager einen Drachen töten, hat aber Mitleid mit ihm und freundet sich mit ihm an, unterstützt von einem Wikingermädchen: Stoff für epische Filmmusik, die von John Powell stammt und von Daniel Hiller für Blasorchester arrangiert wurde. Es ist eine sehr erzählfreudige Musik mit dramatischem Beginn, Tanzfreude und nachdenklichen Passagen. Der Dirigent Sebastian Denzler hatte alles im Griff, vermittelte seinen Musikern Sicherheit und Ruhe, wohl wissend, dass die eigentliche dirigentische Arbeit das akribische Proben ist.
Und die Probenergebnisse überzeugten: Gut abgestimmt war die Klangmischung, wobei die tiefen Bläser etwas dominierten und das Schlagzeug, weil ganz hinten in der Bühnentiefe postiert, manchmal etwas versteckt klang.
Mit „The Hounds of Spring“ von Alfred Reed begann das Konzert. Das Orchester ließ hier rhythmisch exakt und mit feuriger Energie die „Hunde des Frühlings“ laufen und zeigte im lyrischen Mittelteil schöne Klangbalance und feine Klangabstufung. Die ungemein farbenreiche „Hymn of the Highlands“ von Philip Sparke war das Konzert-Motto.
Aus den insgesamt sieben Sätzen hatte Denzler drei ausgewählt: „Ardross Castle“ beginnt poetisch raunend und wird dann hymnisch rauschend, Denzler ließ diese poesievolle Musik sich ruhig entfalten und dann in blockhafter Klangmassigkeit auftürmen. „Alladale“ beschreibt den gleichnamigen Fluss mit einem Trio, ursprünglich Flügelhorn, Horn und Bariton, hier ein weich singendes Saxofon-Trio, das von geheimnisvollem Schlagwerk und quirlig-welligen Holzbläsern begleitet wird.
Das Finale namens „Dundonnell“, benannt nach einem einsamen Dorf, kam trommeltosend und windsausend mit tief-feierlichem Blech und schrillen Trompeten daher. Solvejg Lindner, die sympathisch und einfühlsam moderierte, erzählte dazu, dass sie eigens den Komponisten angeschrieben hatte, warum er dieses Finale nach einem eigentlich nichtssagenden Dorf benannt habe, also, was die Geschichte dahinter sei: „There is no story“, hatte der Komponist geantwortet: „Es ist nur Musik!“.
Feurig und rhythmisch außerordentlich abwechslungsreich kam der „Phönix aus der Asche“ von Rossano Galante, bevor „Three Times Blood“ erklang, also „Drei Mal Blut“, ein Werk des österreichischen Komponisten Fritz Neuböck, das er auf drei Bilder des Malers Stefan Feuchtner komponierte, die Solvejg Lindner ausführlich interpretierte. Da bot sich eine mal farbig mystische, mal strahlend lichtvolle, mal körperlich erdige und immer rhythmisch vielschichtige Musik mit vielen Naturlauten und einmal sogar Singen der Musiker dar. Schön war, dass man bei allem integrierten Gesamtklang auch immer die einzelnen Blasmusikfarben heraushörte. Die Zuhörer zollten immer wieder begeisterten und langanhaltenden Zwischenapplaus, dafür gab’s am Ende zwei Zugaben, darunter auch ein japanisches Stück.