Im Kampf gegen die grauen Herren

von Redaktion

Lesung zur Finissage in der Villa Maria

Bad Aibling – Alle, die zur Finissage von Alejandro Calderon Jaffé und Diana Dudek in der Villa Maria erschienen waren, durften einen besonderen Sonntagvormittag erleben. Es war ein Genuss, der das leibliche und das geistige Wohl der Besucher ansprach. Ernst und Constanze Geyer hatten ein kleines Frühstück vorbereitet, in dessen Rahmen die Gespräche in den geistigen Teil übergingen. Nicht zum ersten Mal hielt die Sprecherin und Rundfunk-Moderatorin Julia Cortis eine Lesung, die alle Zuhörer in den Bann schlug.

Aus aktuellem Anlass hatte sie Michael Endes 1973 erschienen Roman „Momo“ ausgesucht. Denn das Thema des Fantasie-Romans, das Vergeuden der Zeit, ist auch Thema der Arbeiten von Jaffé. Zwar ist Endes Roman „Momo“ eine bedrohliche Darstellung, wie gedankenlos die Menschen ihre Zeit mit Unnützem vertun. Aber das Ausmaß an Zeitverschwendung, welches das ständige Benutzen des Smartphones mit sich bringt, konnte er noch nicht ermessen. Dies stellt der venezolanische Bildhauer Jaffé in einer Serie kleiner Bronzearbeiten dar, in der Personen ihre Zeit mit dem Handy teilen, statt füreinander da zu sein.

Momo hingegen kann spielen, erzählen und vor allen Dingen zuhören. Wenn die Menschen ihr von ihren Gedanken erzählen, lösen sich alle Probleme von selber, weil Momo mit dem Herzen bei ihnen ist. Dieses Leben wird eines Tages gestört durch den Einzug der grauen Herren, die der Zeit ein anderes Gepräge geben. An die Stelle von Freundschaft und Einvernehmen treten Hektik und falsche Betriebsamkeit. In einem aufregenden Kampf gelingt es Momo mit Hilfe der weisen Schildkröte Kassiopeia und des Meisters Hora, die grauen Herren zurückzuweisen. Michael Ende zeigt sich einmal mehr als Meister der Sprache. Sensibel und lebendig ist seine Ausdrucksweise und sensibel und lebendig trug Julia Cortis die Textausschnitte vor. Jedem Wesen gab sie seine eigene Tonlage – die dunkle Stimme der Schildkröte Kassiopeia etwa war tief und beruhigend.

Hatte Cortis zu Beginn ihres Vortrags das Gedicht „Die Zeit“ von Erich Kästner zitiert, so beendete sie den Vormittag mit einigen Zeilen aus Marcel Prousts umfassenden Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Man hätte eine Stecknadel fallen hören, so ruhig und gebannt war das Publikum. Ute Bößwetter

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