Mit Virtuosität und Ausdruckskraft

von Redaktion

Die Pianistin Claire Huangci brillierte im Schlosssaal von Neubeuern

Neubeuern – „Jetzt ist die Übung fertig.“ Mit diesen Worten kokettierte Claire Huangci bei ihrem Auftritt ihm Rahmen der Neubeurer Schlosskonzerte nach der „Fantasie Brillante sur „Le nozze di Figaro“ op. 493 von Mozart in einer Bearbeitung von Carl Czerny.

Czerny ist vor allem bekannt geworden durch seine berüchtigte Etüdensammlung. Die Pianistin spielte das melodisch verfremdete Werk mit einer technischen Brillanz und Ausdruckskraft, die das Publikum bannte. Auf dem Programm im Schlosssaal von Neubeuern standen unter dem Motto „Komponistinnen“ Klavierwerke von Clara Schumann, Fanny Hensel und Florence Price, aber auch von Frédéric Chopin und Maurice Ravel.

Bereits in Czernys Mozartbearbeitung beeindruckte Claire Huangci mit gläsern perlendem Ton und kraftvollem Anschlag. Manche Passagen wirkten in dem kleinen Schlosssaal mitunter etwas allzu wuchtig.

Schön anzuhören waren die weit ausschwingenden graziösen Themen und Motive der Komposition, die die Pianistin mit virtuoser Leichtigkeit interpretierte. Lyrisch poetischen Zauber verströmten das melancholische Notturno und die Polonaise von Clara Schumann. Diese Werke spielte die Pianistin mit viel Gespür für den Ausdrucksreichtum der erst jugendlichen Komponistin.

Mal zart und verträumt, dann wieder voller dunkler Dramatik war das Capriccio in As-Dur von Fanny Hensel, das Claire Huangci klangsinnlich und gefühlvoll zu Gehör brachte. Die Etüde op. 25 Nr. 7 von Frédéric Chopin wiederum verband schmerzvolle Klage mit traurig zarter Melodik. Claire Huangci spielte die Modulationen und chromatischen Harmoniefolgen voller virtuoser Hingabe. Träumerisch begann die Ballade Nr. 4 in f-Moll op. 52. Die Fülle der zarten pianistischen Figurationen steigerte sich zum Schluss zu kraftvollem Pathos. Die Pianistin schuf einen Klangrausch, der zwischen stürmischen Passagen und zarten Lyrismen wechselte.

Einen Höhepunkt des Abends bildete die Sonatine für Klavier in Fis-Dur von Maurice Ravel. Duftig zart und fließend erklang der Satz Modéré. Voller reich verzierter Eleganz entfaltete sich das an Rameau erinnernde Menuett, virtuose Kraft und Lebendigkeit besaß der Schluss.

Ein Klangwunder erzeugte die Pianistin schließlich in „La valse“. Ravel verarbeitet in dieser faszinierenden Komposition Elemente des Wiener Walzers mit impressionistischer Harmonik und Rhythmik. Claire Huangci schien ein ganzes Orchester zu ersetzen, so vielgestaltig und ausdrucksreich ertönten die kunstvoll verfremdeten Tänze. Zu Beginn murmelte das Klavier dunkel und verschleiert, dann stieg wie aus dem Nebel Walzermelodik auf, deren Harmonie aber immer wieder kippte. Die Furcht beim Spielen, die Claire Huangci vorher noch eingestand, merkte man ihr nicht an, vielmehr bannte erneut ihre mitreißende Ausdruckskraft.

Zum Abschluss spielte die Pianistin noch drei Stücke der Afroamerikanerin Florence Price, darunter den rasanten „Waltz of a Springmaid“ und die „Fantasie nègre“ Nr. 2 in g-Moll, die Romantik mit folkloristischen Elementen verknüpfte. Als Zugabe erklang noch die zarte Filmmusik aus „Die fabelhafte Welt der Amelie“ von Yann Tiersen.

Georg Füchtner

Artikel 4 von 10