Zu den warmen Quellen der Musik

von Redaktion

Gitarre und Violoncello: Ein selten gehörtes Duo in der Villa Sawallisch

Grassau – Der Saal war gut gefüllt und die Neugier groß, auch wenn das Duo des Abends nur Ersatz war, eingesprungen für den erkrankten Gitarristen Hans Werner Huppertz. Doch das Publikum der Villa Sawallisch vertraute darauf, dass es auch in der Situation etwas Besonderes zu hören bekam – und es wurde nicht enttäuscht.

Während ihres Studiums am Salzburger Mozarteum haben Maria Lydia Mayr und Felipe Celis Catalán 2018 ihr Duo gegründet. Die Cellistin aus Linz und der Gitarrist aus Chile sind zwar längst kein Geheimtipp mehr, für viele an diesem Abend aber doch eine Entdeckung. Das Konzert begann ohne Ansage mit einem Stück des jungen chilenischen Komponisten Lorenzo Cornejo, das bereits mit den ersten Akkorden zeigte, wie wohltuend die beiden Saiteninstrumente harmonieren können, tonal und emotional die gleiche Wärme ausstrahlend. Wie Felipe Catalán erklärte, will das Duo mit den rhythmischen und melodischen Traditionen Europas und Lateinamerikas vertraut machen und beides in Dialog treten lassen, schließlich speisen sie sich aus den reichen Quellen der jeweiligen Volksmusik.

Ein Beispiel dafür war die „Austrian Suite“, deren fünf Sätze Catalán komponiert und arrangiert hat. Beim Schleuniger, Jodler, Polka, Ländler und Russbacher Tänzen konnte man dem Typischen der jeweiligen Region nachspüren: dem Fünf-Achtel-Takt des Schleuniger aus dem Salzkammergut oder dem Jodler aus Tirol über die gezupften Saiten des Cellos. Das Duo liebt das hörbar Ursprüngliche und machte zugleich mit großem Können und Lust an der Modifikation etwas ganz Neues aus den musikalischen Fundstücken.

Zu den Komponisten und Musikern, die sich gerne direkt an den Quellen inspirieren lassen, gehörte auch Lorenzo Cornejo. Sein Stück vom Beginn des Konzerts, „Sugerencia de un huanyo“, basiert auf einem uralten Tanz der Inkas, dem Huanyo. Komponiert für Gitarre wurde es vom Duo des Abends musikalisch verzaubert. Nach der Pause kamen weitere Musikzauberer mit dem Hang zur Quelle ins Spiel. Gleich zu Anfang war es Johannes Brahms, von dessen hochromantischen Deutschen Volksliedern das Duo drei schöne Beispiele brachte: „Mondenschein“, „Liebestreu“ und „Lerchengesang“.

Auch Joaquin Turina (1882 bis 1949) ist als Komponist ganz der spanischen Tradition verhaftet, mit seinem Gitarren-Solostück Sevillana von 1923 ist er kompositorisch aber nicht stehen geblieben. Mit ihm war Gitarrist Catalán in seinem Element und präsentierte ein paar Minuten lang ein reinrassiges Gitarrensolo, leise zuweilen und nachdenklich, ohne überlaute Effekte, jede Kunstpause wirkungsvoll zelebrierend.

Mitten in den Applaus begrüßte er im Publikum den Gitarrenbauer Claus Voigt aus Wasserburg und erzählte bei der Gelegenheit die Geschichte der eben für das Stück ausgetauschten Gitarre. Deren hellere Decke hat Voigt aus dem Holz eines Dachbalkens der Münchner Frauenkirche gebaut. Ein Bombenschaden hatte das 500 Jahre alte Gebälk während des Krieges in Trümmer gelegt und ein kleiner Teil davon landete irgendwann in der Wasserburger Werkstatt.

Der Abend endete mit Kompositionen von Astor Piazzolla, auch einer, der von der Tradition und Folklore kommt und als Großmeister des Tangos von Argentinien aus die Konzertsäle Europas eroberte. Noch einmal bewies das Duo mit viel Wärme, wie sehr ihm das Ursprüngliche für seine Idee von Musik willkommen ist. Es wäre schön, mehr davon zu hören. Klaus Bovers

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