Ein Leben für die Volksmusik

von Redaktion

Aus der Volksmusikpflege Ausstellung in Schloss Hartmannsberg widmet sich ab 12. April Wastl Fanderl

Bad Endorf – Eine Ausstellung mit Begleitveranstaltungen in Schloss Hartmannsberg widmet sich ab 12. April Wastl Fanderl.

Der 1915 in Bergen geborene und ab den 1960er-Jahren in Frasdorf auf dem Stelzenberg ansässige Wastl Fanderl, gestorben 1991, ist der wichtigste Impulsgeber für die oberbayerische Volksmusik – und darüber hinaus – in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Über ihn, seine Zeit, seine Zeitgenossen und sein Wirken und Nachwirken erzählt die neue Ausstellung der Volksmusikpflege im Landkreis Rosenheim in Schloss Hartmannsberg bei Hemhof.

Wastl Fanderl lässt sich in seiner Vielfalt an volksmusikalischen Tätigkeiten am besten mit Stichpunkten beschreiben: Sammler, Liedermacher, Singwochengestalter, ab 1958 Herausgeber der „Sänger- und Musikantenzeitung“, Autor, Organisator und Moderator von Veranstaltungen, Sendungen im Rundfunk, Studioaufnahmen von Liedern und Musik für Hörfunk und Schallplatte, der Fernsehreihe „Baierisches Bilder- und Notenbüchl“ (90-mal in der ARD), Bayerisches Liederstandl, Singstunden in den Dörfern sowie erster Volksmusikpfleger des Bezirks Oberbayern.

Die Ausstellung greift in vielfacher Weise die früheren Erkenntnisse und Arbeiten aus den 1980er- und 1990er-Jahren zu diesem Thema auf und will diese Ergebnisse um aktuelle und lokal-regionale Inhalte ergänzen und zur Diskussion stellen.

Interessant ist die regionale Wirkung dieser überregional im deutschsprachigen Raum durch regelmäßige Medienpräsenz in Funk und Fernsehen sowie auf Schallplatte vertretenen Persönlichkeit. Auch geht es um die Schaffung einer bewussten Erinnerungskultur, die auf der Grundlage der Volksmusikpflege der 1930er- bis 1980er-Jahre in den verschiedenen Generationen bis heute eigene Aktivitäten hervorbringt. Zudem soll auch die Person und seine Haltung in der Zeit von Nationalsozialismus, Krieg und Nachkriegszeit betrachtet werden.

Die Ausstellung lebt vom Engagement und den Leihgaben von Privatleuten und Institutionen, die ihre „Schätze“ und Materialien zur Verfügung stellen, besonders auch von unserer eigenen Sammlung, Forschung und langjährigen Begegnung mit Wastl Fanderl. Er gab wesentliche neue Impulse für die traditionelle Volksliedpflege und wollte mit der breit gefächerten Pflege von überlieferten und neugestalteten Volksliedern – teils überregional in den Medien verbreitet, teils lokal in praktischen Singabenden/Singwochen eingeübt – auch die dörflichen und sozialen Gemeinschaften fördern, beispielsweise in der Region Rosenheim.

Die Ausstellung ist in der Regel an den Sonntagen (nicht Pfingstsonntag) bis zum 31. Mai von 13 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Am Sonntag, 12. April 2026, um 11 Uhr ist die Bevölkerung zur Eröffnung der Ausstellung mit dem stellvertretenden Landrat Huber eingeladen. Natürlich werden auch einige „Fanderl-Lieder“ gesungen. Um 14 Uhr gibt es unter dem Liedtitel „Aufn Berg oder im Tal …“ einen Einblick in Wastl Fanderl als Zeitungsmacher – von seiner „Sänger- und Musikantenzeitung“ bis zur heutigen „Zwiefach“ –; ein Gesprächsnachmittag mit Roland Pongratz und Gästen. Um 16 Uhr ist eine allgemeine Führung mit den Ausstellungsmachern möglich.

Am darauffolgenden Sonntag, 19. April, ist die Ausstellung wieder von 13 bis 18 Uhr zugänglich. Schon um 11 Uhr geht es in einem offenen Gesprächskreis über „Volkslieder in Tageszeitungen“ mit Beispielen aus den 1830er-Jahren über Liedbeiträge von Wastl Fanderl bis heute. Nach einer allgemeinen Führung um 14 Uhr heißt es um 15.30 Uhr „Kimmt sche hoamli de Nacht …“ – Treffen der Teilnehmer an den Fanderl-Singwochen mit gemeinsamem Singen und Erinnern. Wer hat Bilder? Wir freuen uns auf viele interessierte Besucher, die uns an ihren Erinnerungen teilhaben lassen. Ernst Schusser

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