Feinfühlige Geschichten

von Redaktion

Letzte Ausstellung beim Verein Kunst und Kultur zu Hohenaschau

Aschau im Chiemgau – „Von einer unglaublichen Sensibilität und Ironie“ geprägt seien die Bilder von Ransome Stanley (Jahrgang 1953), sagt der Maler Rudolph Distler. Distler, der 2007 über eine kleine Münchner Ausstellungsanzeige auf den in München lebenden Künstler Stanley, Sohn eines Nigerianers und einer Deutschen, stieß, war sofort angetan von dessen Kunst. Schon zweimal hat Stanley inzwischen bei Kunst und Kultur zu Hohenaschau ausgestellt, nun also zum dritten Mal.

Ein Grenzgänger
zwischen zwei Welten

Ransome Stanley ist ein Grenzgänger zwischen zwei Welten – geprägt durch afrikanische Wurzeln und europäische Lebenswelt. In einem früheren Interview hat er seinen Arbeitsprozess als „non-lineares, collagiertes Denken“ beschrieben. Und dass es ihm um „Diskontinuität von Raum und Zeit“ gehe. Und wie sich das bildhaft äußert, kann man in den Räumen der Festhalle eindrucksvoll erleben.

Stanleys Werke lassen sich nicht in eine stilistische Schublade packen. Es sind stille und feinfühlige Bilder, teils poetisch, teils Street Art, teils surrealistisch, aber stets ausdrucksstark. Es sind Bilder, in denen Realität, Mythos, persönliche Biografie und kulturelle Codes sich ineinander verweben. Dafür verwendet Stanley unterschiedlichste Techniken, feinfühlig austariert und sorgfältig komponiert.

Mit einem Schwarz-Weiß-Bild setzt er den Zwillingen „Eko und Ido“ ein Denkmal, gibt den Anfang des 20. Jahrhunderts auf Jahrmärkten herumgereichten „schwarzen Albinos“ wieder ihre Würde zurück, indem er sie in elegante Anzüge kleidet.

Den Blick nicht lassen kann der geneigte Betrachter von „Ajoke“, deren Anmut durch den Hell-Dunkel-Kontrast noch verstärkt wird.

„Black Zeus“ ist ein dunkelhäutiger Mann, der in einem weißen Kleid mit einer Schwanenmaske auf einem Hocker kauert. Eine gelungene Anspielung auf die Mythologie, bei der sich Zeus in einen Schwan verwandelt, um die spartanische Königin Leda zu verführen. Und da will man Mickey Mouse zuwinken, meint man doch, neben dem dunkelhäutigen Mann zu stehen, dessen Rückenansicht man im Bild sieht.

Ganz anders Stanleys Blumenbilder: pastellfarbene Poesie, bei denen die üppigen Blüten scheinbar aus einer Vase, aus dem Bild heraus wachsen. Und „Singapur Souvenir,“ ein junger Sumo-Ringer mit ölig-glänzender Haut und der typischen Haartracht, lässt angesichts der rosig gefärbten Bäckchen und der weißen Badeente in seinen Händen schmunzeln.

Stanley spielt ein Spiel mit dem Betrachter. Es ist ein Spiel mit der räumlichen Dimension, die den Blick für das Ungleichzeitige eröffnet. Es ist ein Spiel mit den unterschiedlichsten Formen der Wahrnehmung. Es sei „eine bildnerische Sonderform des Geschichtenerzählens“, so Gottfried Knapp, Kunstkritiker und Feuilletonist, in seiner Laudatio bei der Vernissage zur Ausstellung.

Dass die Bilder so hängen, wie sie in den Räumen der ehemaligen Rossschwemme hängen, überhaupt dass diese Ausstellung und die 170 anderen davor in der Form stattfinden, wie sie stattfinden, hat man allein Rudolph Distler zu verdanken.

171 Ausstellungen
in 35 Jahren

Der Maler, der 1991 zusammen mit einigen Kunstinteressierten im Ort den Kunst- und Kulturverein gründete, war in den vergangenen 35 Jahren mehr oder weniger allein dafür verantwortlich, Künstler auszuwählen und für Ausstellungen einzuladen, die Ausstellungen zu organisieren und zu betreuen, die Oeuvres zu hängen und Kunstinteressierte aus der Region und weit darüber hinaus nach Aschau im Chiemgau zu locken. Auch fanden in den Räumlichkeiten Vorträge, Lesungen und Buchvorstellungen statt. Nun hört er auf.

Noch bis Sonntag, 26. April, geht die Ausstellung, noch sind einige Kunstwerke zu kaufen. Man sollte also nach Aschau im Chiemgau eilen. Auch wenn ein Hauch Wehmut über dieser 171. Ausstellung des Kunst- und Kulturvereins zu Hohenaschau hängt. Eine Ära geht zu Ende. Chapeau und Dank für 35 Jahre Kunst und Kultur zu Hohenaschau.

Bis 26. April

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