Kolbermoor – Für den Orgelmittwoch in der Kirche Wiederkunft Christi hatte Christoph Heuberger aus Bad Tölz viel Bach und ein bisschen Brahms mitgebracht, viel düsteres Pathos und Bearbeitungen von Passions-Chorälen. Mit seinen mächtigen Akkordblöcken, schmerzlichen Seufzerketten und durchlaufenden Triolenreihen ist Bachs Präludium und Fuge c-Moll BWV 546 eine latente Passionsmusik. Allerdings erstarrte Heuberger nicht im düsteren Pathos und ließ alles ruhig fließen. Auch die Fuge mit den eindringlichen Akkordbrechungen samt Kreuzmotiv hielt er flüssig und transparent. Bachs d-Moll-Fuge BWV 539, die eher wie eine freischweifendes Präludium wirkt, spielte er in schwingender Phrasierung.
Drei Choralbearbeitungen von Bach stellte der Organist zwei von Johannes Brahms entgegen: ein reizvoller Vergleich. Während bei Bach gleichwertige selbstständige Stimmen neben die Choralmelodie treten, variiert Brahms vor allem die Intervallkonstellationen. So umgibt Brahms geradezu verschwenderisch die Melodien mit romantischen Harmonien, aus denen zum Beispiel die Melodie von „O Haupt voll Blut und Wunden“ herausleuchtet, wobei Heuberger dem romantischen Drängen viel Raum gibt. In Bachs Choral „Herr Jesu Christ dich zu uns wend“ BWV 655 wartet man bei den vielbewegten Begleitfiguren fast sehnsüchtig auf die Choralmelodie, in „An Wasserflüssen Babylons“ BWV 653 staunt man über Bachs Gestaltungsfantasie und in „O Lamm Gottes unschuldig“ BWV 656 wird die Melodie zuerst nur auf den Manualen umspielt, bis sie in der dritten Strophe machtvoll im Bass hervortritt, wobei dann herabsinkende Chromatik im „Lamento“-Gestus den Karwochen-Charakter betont. All dies konnte man in Heubergers sorgfältigem Spiel heraushören. Rainer W. Janka