Gott loben mit Swing und Stepptanz

von Redaktion

Temperamentvolles „Sacred Concert“ von Duke Ellington im Festspielhaus Erl

Erl – Bei geistlicher Musik denkt man zunächst nicht an Jazz. Duke Ellington schon: Zur Fertigstellung der Grace Cathedral in San Francisco erhielt er den Auftrag, ein religiöses Werk zu komponieren. Er tat’s, nannte es „Sacred Concert“ und bezeichnete es als „the most important thing I have ever done“, also gewissermaßen sein Opus Magnum. Er führte es öfter auf, veränderte es dabei immer wieder, hinterließ aber keine verbindliche Partitur.

Rekonstruierte
Fassung

1993 rekonstruierten die dänischen Musiker John Høbye und Peder Pedersen eine Fassung für Big Band, Chor und Sopransolo. Mit dieser Fassung gastierten der Bachchor Salzburg und die Big Band des Mozarteums Salzburg am Karsamstag im Festspielhaus Erl.

Doch vor diesem „Sacred Concert“ gab’s zuerst noch zwei andere Stücke: Der Bachchor sang, begleitet von einer Jazzcombo, „The Fulfillement of Love“ des finnischen Komponisten Jukka Linkola (geboren 1955), der dieses Werk eigens für den Bachchor schrieb. Grundlage waren Texte über das Geheimnis, das Feuer und die Stärken der Liebe, was sich manchmal wie eine Variation des biblischen Hohenliedes anhörte. Die Mischung aus jazzigen, neoklassizistischen und romantischen Melodien und kraftvollen Rhythmen waren angereichert durch rhythmisches Klatschen, Zischlaute, Summen, Fingerschnipsen und herzhaftes Lachen: eine ungemein farbige Hymne auf die Liebe, von den Sängern mit ekstatischer Freude gesungen, unermüdlich angefeuert vom Dirigenten Michael Schneider.

Die Big Band spielte dann ein Stück namens „Serenety’s Harmony“, also die Harmonie der Heiterkeit, ihres aus Tirol stammenden Leaders Christoph Pepe Auer in exaktester blutvoller Rhythmik und im allerbesten BigBand-Sound samt Soli von Posaune, Trompete und Saxofon.

Das „Sacred Concert“ besingt in zehn Teilen Gott, den Himmel und vor allem die Freiheit. Es mischen sich dabei Jazz, Gospel, A-cappella-Passagen wie aus europäischer Kirchenmusik und Big-Band-Sätze – und mittendrin ein dauerklingelndes Handy. Die aus Linz stammende Jazz-Sängerin Karin Bachner hatte mit ihrer variablen Stimme ihre Auftritte ebenso wie der Stepptänzer Eli Hooker mit gummiartigen Füßen: alles, um wie im Psalm 150 Gott zu preisen, aber nicht mit Psalter und Harfen, Pauken und Reigen, Saiten und Pfeifen und hellen Zimbeln, sondern mit Chorstimmen, Stepptanz, Schlagzeug, Posaunen, Trompeten und Saxofonen. Die Chorsänger wippten im Takt mit und sangen hochanimiert und entflammt, Michael Schneider tänzelte auf seinem Dirigentenpodium und feuerte alle immer wieder von Neuem an. Mittendrin stoppte alles wegen eines dramatischen medizinischen Notfalls, der aber durch anwesende Ärzte mittels Herzmassage geklärt werden konnte: Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen. Umso befreiter war dann das Lob Gottes, der Liebe und des Lebens mit Musik und Tanz. Das empfanden auch die Zuhörer im ausverkauften Festspielhaus und quittierten alles mit viel Zwischen- und heftigem Schlussapplaus.

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