Wenn das Klavier Geschichten erzählt

von Redaktion

Peter Ludwig auf „Abschiedstournee?“ im Wasserburger Rathaussaal

Wasserburg – Bei seinem Klavierkonzert „Abschiedstournee?“ zeigte Peter Ludwig noch einmal, was sein künstlerisches Schaffen auszeichnet: elegante Kompositionen mit feinen Melodien und ein pointiertes Spiel, das er über Jahrzehnte geprägt hat.

Peter Ludwig ist Pianist, Komponist, Arrangeur und auch Filmemacher. Seine Musik steht für eine Klangsprache zwischen Jazz und Klassik, die Melancholie und Humor vereint. Seine Kompositionen reichen von feinfühligen Klavierstücken bis hin zu atmosphärisch dichter Filmmusik. Neben seinen Konzerten komponierte er für Film- und Theaterproduktionen und musikalische Projekte bekannter Schauspielgrößen. Als Bühnenkünstler wiederum suchte er stets die Nähe zum Publikum, das er mit Charme, Witz und einem feinen Gespür für Stimmungen begeistert.

In diesen Tagen feiert der Künstler seinen 75. Geburtstag, Anlass für ihn, ein Abschiedskonzert zu geben. Ob es tatsächlich dabeibleibt, ließ das Fragezeichen in der Konzertankündigung offen. Im Rathaussaal jedenfalls konnten die Besucher noch einmal ein facettenreiches Konzert mit den Höhepunkten aus über fünf Jahrzehnten Arbeit als Kompositeur und Pianist erleben.

Es war ein Abend, an dem die Musik noch einmal tief Luft holte: Peter Ludwig, Geschichtenerzähler und Pianist, lud sein Publikum auf eine musikalische Reise voller Witz und Wärme ein. Ludwig spielte ausschließlich seine eigenen Werke. Bei vielen seiner Kompositionen hatte der Künstler ihre spezielle Entstehungsgeschichte mit dabei. So entstand die „Suite Pyrénées“ auch direkt in den Pyrenäen. Er hatte damals den Auftrag, auf ein Schloss vor Ort aufzupassen, dessen Bewohner verreist waren. Seine „Preludes“ sind dem Leben in Paris gewidmet, kurze Impressionen und oft nur zufällige Begegnungen und doch beeindruckend genug, um sie musikalisch festzuhalten. Ludwigs „Grand Tango Suite“ zählt insgesamt zwölf Einzelkompositionen.

Entstanden sind kurze, einzigartige Charakterstücke, die zusammen ein kompositorisches Gesamtkunstwerk bilden. Dazu erzählte er die Geschichte des Bandoneons, ein Harmonikainstrument, das ein Herr Band aus Krefeld erfunden hat. Auswanderer brachten es nach Argentinien, wo es durch seinen melancholischen Klang zum prägenden Instrument des Tangos wurde. In Peter Ludwigs „Tango Suiten“ sind es die Klaviertasten, die diese Geschichten erzählen. Auch seine variantenreichen Klangfantasien wie „Zirkus“ oder „Kap Verden“ begeisterten die Zuhörer mit ihrer funkelnden Melancholie, die nur dann entsteht, wenn bei einem großen Künstler der Abschied selbst zur Kunstform wird.

Ob das Konzert nun tatsächlich das endgültige Bühnenaus bedeutet, wird die Zukunft zeigen. Es bleibt also die Hoffnung, dass es nur ein vorübergehender Abschied von der aktiven Bühnenpräsenz sein wird. Nach über 50 Jahren vor Publikum am Flügel wäre es auch schade, Peter Ludwig nicht mehr live und auf der Bühne erleben zu können. Am Ende verneigte sich Peter Ludwig vor seinem Publikum und wurde mit stehenden Beifallsbekundungen und einem langanhaltenden Schlussapplaus verabschiedet.

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