Wenn der grüne Hügel in Grassau zur Opernbühne wird

von Redaktion

Masterstudenten der Theaterakademie August Everding zu Gast in der Villa Sawallisch

Grassau – „Oper, wir kommen“, so lautete die Ansage für ein Konzert in der Villa Sawallisch. Nach dem Abend kann man dieser Ansage nichts mehr hinzufügen. Denn die Hingabe, Ausdrucksstärke und nur mit wenigen Gesten untermalten Interpretationen der Arien, die die neun Studierenden des Masterstudiengangs Musiktheater/Operngesang der Theaterakademie August Everding in München präsentierten, waren purer Beweis, dass die jungen Sänger für diesen Beruf brennen. Noch dazu vor einem Publikum, dem – anders als in einem Opernhaus mit tiefem Saal – die Interpreten unmittelbar ansehen konnten, wie ihre jeweilige Rolle ankam. Virtuos, ausdrucksstark, farbenreich begleiteten Maria Fitzgerald, Czinszka Rédai und Nathan Harris die Sänger auf dem Flügel.

Angeleitet von Dozenten der Theaterakademie und der HMTM sowie von Kornelia Repschläger und Martina Koppelstetter hatten die Studierenden aus aller Welt eine Woche lang in Grassau fordernde Partien einstudiert. Koloratursopranistin Beatriz Maia glänzte mit der Arie der Zerbinetta aus „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss. Bariton Tatsuki Sakamoto begeisterte als Conte Almaviva „Hai già vita la causa?… vedrò mentr’io sospiro“ aus „Le nozze di Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart mit fantastischer Artikulation. Sopranistin Rusne Tušlaite gab die Frau Fluth aus „Die lustigen Weiber von Windsor“ von Otto Nicolai: Leicht und vergnüglich klang ihr „Nun eilt herbei – Frohsinn und Laune“. Nicht minder ausdrucksstark nahm sie später bittersüß als Mimi Abschied mit der Arie „donde lieta usci“ aus „La bohème“ von Giacomo Puccini. Die Qualen des Max aus „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber führte Tenor Henrique Lencastre vor, noch überzeugender, inbrünstiger gelang ihm allerdings die Arie des Pinkerton „Addio, fiorito asil“ aus Puccinis „Madame Butterfly“. Mit Leidenschaft und warmem Timbre füllte Katja Maderer ihre Rolle als Donna Elvira in der Arie „In quali eccesi… mi tradi quell’alma ingrata“ aus Mozarts „Don Giovanni“ aus. Mezzosopranistin Julia Schneider überzeugte als Arianna aus „Arianna a Naxos“ von Joseph Haydn. Auch ohne Sprachkenntnisse konnte man Laura Richters glockenhellem Sopran ihre Rolle als verliebtes Schneeflöckchen (Snegurotschka) aus der gleichnamigen Oper von Rimski-Korsakow abnehmen. Hatte Tenor Mose Lee sich mit der Arie „ah leve toi soleil“ als Romeo aus „Romeo et Juliette“ von Charles Gounod von Liedzeile zu Liedzeile gesteigert, so begeisterte er als Hoffegut von der ersten Note an mit der Arie „So ist denn alles gewesen wie?“ aus der Oper „Die Vögel“ von Walter Braunfels. Julia Schneiders warmer Mezzosopran bewährte sich gemeinsam mit den Sopranstimmen von Viktoria Matt, Laura Richter und Beatriz Maia zum wunderbar zart-schwebenden Quartett „From the gutter, why should we trouble at their ribaldries?“ aus „Peter Grimes“ von Benjamin Britten.

Zum Abschluss gab es Volksmusik: Anmutig und mit betörend schöner Stimmfarbe erzählte Sopranistin Viktoria Matt von der unirdischen Liebe der Vilja, dem Waldmägdelein, zu einem Jäger aus der Operette „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar, begleitet vom Chorgesang ihrer Mitstudenten aus dem hinteren Teil des Saales.

Unterhaltsam und berührend, wie die Sänger ihre jeweiligen Rollen interpretierten. Die Woche hatte den Masterstudenten wahrlich viel vermittelt, was Leidenschaft, Bühnenpräsenz und Ausdrucksstärke angehen. Auch wenn allerorten bei der Kultur gespart wird, wie Joachim Tschiedel, stellvertretender Leiter des Masterstudiengangs Musiktheater an der Theaterakademie, im Gespräch mit Kursleiterin Kornelia Repschläger bedauerte. Wer der Sangeskunst in der Villa Sawallisch lauschen durfte, dem musste nicht bang um „den schönsten Beruf der Welt“ (so Tschiedel) werden.

Elisabeth Kirchner

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