Rosenheim – Das Eröffnungskonzert zur neuen Lokschuppen-Ausstellung „Römer“ geriet im Kultur- und Kongress-Zentrum zu einer klangvollen Reise gen Süden – mit viel italienischem Flair, mediterraner Leichtigkeit und überraschenden musikalischen Wendungen.
Mit dabei auf dem Streifzug durch den Mittelmeerraum und durch drei Jahrzehnte Bandgeschichte von „Quadro Nuevo“ waren die noch vom „Wikinger“-Konzert bekannten „Abenteurer“. Mit Philipp Sterzer an der Flöte und Andreas Binder war Saxofonist Mulo Francel früher schon als „Trio Blasirello“ unterwegs, gerade kamen sie von einer einwöchigen Konzerttour. Die eigentlichen Stargäste des Abends kamen jedoch aus den Dolomiten: Das Damentrio „Ganes“ aus dem kleinen Ort La Val singt in Ladinisch und verzauberte mit Charme und Spielfreude an zwei Violinen und Kontrabass.
Italienische
Klangwelten
Von Beginn an lag ein Hauch von „Dolce Vita“ im Saal. Mit „La Luna rossa“, dem allerersten Quadro-Nuevo-Stück eröffneten die Gastgeber den Abend stimmungsvoll und entführten das Publikum unmittelbar in italienische Klangwelten. Es folgte der temperamentvolle „To Tango tis Nefelis““, der mit rhythmischer Raffinesse überzeugte, bevor die „Abenteurer“ mit der poetischen Serenade „Stupita Stasera“ eine ruhigere, fast verträumte Atmosphäre schufen. Bilder und Filmaufnahmen von früheren und aktuellen Reisen der Musiker nach Italien und einige von Mulo Francel dargebotene Anekdoten verbreiteten einen Hauch Nostalgie, zeigten aber auch den aktuellen Italienbezug der Musiker.
Dass italienische Musiktradition und internationale Einflüsse sich nicht ausschließen, zeigte die unerwartete Interpretation von Gloria Gaynors „I Will Survive“, die sich stilistisch mühelos in das Programm einfügte. Mit der „Canzone napoletana“ wurde der Bezug zur süditalienischen Liedtradition besonders deutlich, ehe mit Bildern von Samos und dem meditativen „Great Wide Open“ (Komposition Gitarrist Philip Schiepek) ein stilistischer Kontrast gesetzt wurde.
Besondere Höhepunkte des Abends kredenzte das Trio Ganes. Mit ihrem „Jodler de Val“ schlugen sie eine Brücke zwischen alpiner Tradition und mediterraner Klangästhetik. Ihre klare, fein aufeinander abgestimmte Mehrstimmigkeit verlieh auch dem folgenden Kirchenlied eine eindringliche, beinahe sphärische Wirkung, welches steigernd in einen lockeren „Geistertanz“ mündete.
Quadro Nuevo unterstrich den internationalen Charakter des Konzerts mit „Antakya“, einem Stück voller orientalischer Anklänge und treibender Rhythmik – große Klasse und Riesenapplaus! Die Ausdehnung des Römischen Reichs verdeutlichte das von Francel komponierte, episch und wuchtig wirkende „Reise nach Batumi“ als Erinnerung an das Schwarze Meer.
Das von Andreas Bilder komponierte „Concerto italiano“ brachte wieder die „Abenteurer“ auf die Bühne – mehrfache Wechsel der Bands sorgten für Lebendigkeit und Überraschungen. Besonders eindrucksvoll gelang Quadro Nuevo anschließend „Canzone della strada“, das den Geist italienischer Film- und Straßenmusik lebendig werden ließ. Feine Soli unter anderem von D.D. Lowka an der Percussion, tolles Zusammenspiel der Band und als Clou dazu im Hintergrund die Videoeinblendung der im Lokschuppen ausgestellten riesigen Straßenkarte des Römischen Reichs.
Ein sehr reizvoller Part kam nun den Ganes-Damen zu, die einmal mehr mit ihrem Gesang brillierten und unter anderem den italienischen Song-Klassiker „Parole“ auf zauberhafteste Weise darboten. Francel fragte schon an: „Spielen wir jetzt immer zusammen?“ Den Beteiligten machte es sichtlich Spaß, was sich in einigen humorigen Ansagen ausdrückte und das Publikum im ausverkauften Saal ansteckte.
Die Besucher dankten für den musikalisch sehr feinen und hoch unterhaltsamen Abend mit langanhaltendem Applaus. Freilich gab es noch Zugaben, darunter „Volare/nel pinto di Blu“ – einige standen bereits applaudierend. So wurde das Eröffnungskonzert nicht nur zu einer Hommage an die „Römer“-Ausstellung, sondern auch zu einer lebendigen musikalischen Reise durch Italien und darüber hinaus – getragen von Ensembles, die ihre unterschiedlichen Wurzeln zu einem stimmigen Ganzen verbanden.
Quadro Nuevo spielen in Rosenheim wieder am 26. November. Dann stellen sie im Ballhaus ihre aktuelle CD „Inside the Island“ vor.