Brannenburg – „Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich“ – die humorvoll-kritischen Sprüche Wilhelm Buschs waren für ganze Generationen Begleiter von Kindesbeinen an, allem voran durch die illustrierten Geschichten von Max und Moritz oder „Die fromme Helene“. Rund 170 Jahre nach dem ersten Aufenthalt von Deutschlands bekanntestem Humoristen in Brannenburg sind seine Bonmots unvergessen und tun oft kritische Wahrheit kund.
In dieser Tradition stellen die Künstler der Neuen Künstlerkolonie Brannenburg in diesem Jahr erneut den Bezug zur historischen Künstlerkolonie in den Fokus ihrer Gemeinschaftsausstellung in der Kunst-Schmiede und haben die bekannten Sprüche Wilhelm Buschs neu bebildert.
Bereits im 19. Jahrhundert bestand in Brannenburg eine Künstlerkolonie, in der zahlreiche bekannte Maler tätig waren. Ab 1856 verbrachte auch Wilhelm Busch die Sommermonate malend, zeichnend und dichtend in Brannenburg. Hier entstanden seine ersten Ölbilder und in seinem Skizzenbuch finden sich zahlreiche Motive aus Brannenburg und aus dem Inntal.
Die Kunstschaffenden der Neuen Künstlerkolonie Brannenburg setzten sich für die diesjährige Themenausstellung mit den oftmals zeitlosen Betrachtungen Wilhelm Buschs auseinander und setzten diese in ihrer ganz persönlichen künstlerischen Handschrift neu in Szene. Dabei bedienten sie sich verschiedenster künstlerischer Ausdrucksmittel: Malerei, Grafik, Fotografie sowie plastische Arbeiten treten miteinander in Dialog und bilden ein vielfältiges Gesamtkunstwerk. Im Sinne Wilhelm Buschs durchaus mit nachdenklichen und humorvollen Positionen. Seinen Ausspruch aus „Maler Klecksel“: „Leicht kommt man an das Bildermalen, doch schwer an Leute, die’s bezahlen“ jedoch zu widerlegen, gelingt hoffentlich etlichen Kunstschaffenden im Rahmen der Ausstellung.
Zusätzlich zu den modernen Interpretationen der Gedanken Wilhelm Buschs liegt im Rahmen dieser Gemeinschaftsausstellung erstmals das dem Archiv der Künstlerkolonie überlassene wertvolle Vermächtnis der Witwe des 2010 verstorbenen Volkskundlers Professor Dietz-Rüdiger Moser zur Entdeckung für Groß und Klein auf. Für die Vorbereitung seiner Ausstellung im Lenbachhaus im Jahr 2000 „Max und Moritz waren Bayern – Wilhelm Busch in seiner Münchner Zeit“ besuchte dieser mehrmals Brannenburg, wo er viele wertvolle Anregungen erhielt. 2023 vermachte seine Witwe diese Sammlung antiquarischer Wilhelm-Busch-Bücher der Neuen Künstlerkolonie Brannenburg, in der Gewissheit, „die geliebten Bücher ihres Mannes in guten Händen zu wissen“.
Die Sammlung umfasst unter anderem verschiedene Ausgaben von „Max und Moritz“, bebilderte Gedichtbände, den „Humoristischen Hausschatz“, Skizzenbücher, darunter das „Brannenburger Skizzenbuch“ – und stellt somit einen wahren Wilhelm-Busch-Schatz dar. Claudia Pfurtscheller