Hymnische Klänge mit Unterbrechungen

von Redaktion

Beethovens 9. Sinfonie mit der Innphilharmonie im Rosenheimer Kuko

Rosenheim – Mit Charme und Humor begrüßte Dirigent Andreas Penninger das Publikum im ausverkauften Kultur- und Kongress-Zentrum. Halb ernst, halb im Scherz meinte er, der Chor wolle das ganze Werk auch hören und gleich auf die Bühne kommen, obwohl er erst im zweiten Teil auftreten würde. Ob das Publikum etwas dagegen hätte? Natürlich hatte niemand etwas dagegen.

Das Werk, von dem Penninger so bescheiden sprach, war Beethovens gewaltige 9. Sinfonie, die Chor und Orchester der Innphilharmonie unter dem Titel „Götterfunken“ zusammen mit dem Coro Desiderio da Settignano aus Florenz aufführten. Die Sänger waren Yvonne Steiner (Sopran), Franziska Rabl (Alt), Markus Herzog (Tenor) und Franz Hawlata (Bass), begleitende Texte sprach Christian von Aster.

Stehende
Ovationen

Für ihre großartige Darbietung erhielten Chor und Orchester der Innphilharmonie zusammen mit den Florentinern zu Recht lang anhaltende und stehende Ovationen. Dirigent Andreas Penninger animierte das Orchester mit großen Gesten zu Höchstleistungen. Düsternis, Kampf und Schrecken kamen klangstark im ersten Satz Allegro ma non troppo zum Ausdruck, in dem sich aus leisem Tremolo langsam das Hauptthema aufbaut. Nach sanften Streicherklängen steigerten sich die Bläser zu ständigem Paukenwirbel in einem gewaltigen Fortissimo.

Wild und ekstatisch war der zweite Satz, dessen rhythmisch-rasantes Thema wie in einem perpetuum mobile sich immer wiederholte und ins Riesenhafte wuchs. Vielleicht hätte das Orchester in diesem Satz noch ein wenig wilder, ungestümer spielen können. Das im Wechsel von Streichern und Bläsern erklingende Thema bannte die Hörer bis zum letzten Takt.

Im dritten Satz verströmten die einzelnen Instrumentalgruppen Ruhe und Kantabilität. Innig und melodisch sangen die Holzbläser im Choral, der durch unruhige Pizzicato-Einwürfe der Streicher kontrastiert wurde. Nur zweimal unterbrach nach leisem Verklingen der Bläser eine kriegerische Fanfare die weihevolle Atmosphäre.

Überwältigendes
Finale

Grandios war das Finale mit der Hymne „An die Freude“ von Friedrich Schiller. Wie aus der Ferne erklang vom Bläserchoral der Beginn der eingängigen Melodie, bevor die Streicher erst zart, dann kraftvoll einstimmten. Voller Leidenschaft und Hingabe sangen im Wechsel Chor und Soli, eindringlich und kraftvoll eröffnet vom Bass. Klangmächtig intonierte der Chor „Freude schöner Götterfunken“. Emphatisch erklang „Seid umschlungen, Millionen“. Auf die ausgedehnte Stretta folgte grandios ein sich fast überschlagendes Fortissimo-Finale. Überflüssig aber war, dass Orator Christian von Aster, der sich selber als musikunkundig bezeichnete, vor den einzelnen Sätzen langatmig, bildungshuberisch und in gestelzter Diktion Beethovens Genialität anpries. Seine einleitende Feststellung, es gäbe kaum Worte, um Beethoven gerecht zu werden, hätte da völlig gereicht. Vielmehr wäre eine knappe kompetente Einführung in das Werk zu Beginn sinnvoll gewesen. So hätte das Publikum die ganze Sinfonie, die ja insgesamt nur eine gute Stunde dauert, ohne Pause und störende Unterbrechung genießen können.

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