Bad Aibling – In der Galerie Eden in Bad Aibling ist jetzt die dritte Ausstellung seit Bestehen anzuschauen. Sarah Regensburger, künstlerische Leiterin der Galerie Eden, hat in Düsseldorf Schmuckdesign studiert und sich dort einen großen Bekanntenkreis von Künstlern verschiedener Studienrichtungen geschaffen. Das kommt jetzt der Galerie „Eden“ zugute. Zwar wird sie in Zukunft auch hiesige Künstler präsentieren, aber derzeit bietet die noch junge Aiblinger Galerie zum dritten Mal die Ausstellung einer Künstlerin, die nicht aus der unmittelbaren Umgebung stammt. Denn Constanze Vogt lebt und arbeitet in Berlin, studiert hat sie an der Kunsthochschule Kiel.
Betritt man den Galerieraum, ist man überrascht von dessen ungewöhnlicher Gestaltung mit Objekten und Bildern. Constanze Vogt scheint sich weitgehend dem Thema „Linie“ verschrieben zu haben. Ihre Linien stellen sich auf ungewöhnliche Weise dar: entweder in Form von gespannten Fäden oder mit Fineliner zu Papier gebrachten Bildkompositionen, die an Feinheit nicht zu überbieten sind. Mit dem Lineal von einem zuvor fixierten Anfangs- bis zu einem Endpunkt zieht sie eine Linie und gestaltet nach und nach ein Bild. Immer mehr Linien fügen sich zusammen, überlagern sich nach einem bestimmten Plan und bilden schließlich ein sinnvolles Ganzes, manches Liniengeflecht an Blütenkelche erinnernd, manchmal an in der Luft rotierende Körper. Transparenz und spiralförmige Bewegung wohnen diesen Zeichnungen inne, aber auch Poesie und Leichtigkeit.
Diese Linien finden sich wieder in über Holzreifen gespannten Baumwollfäden, die eine Figur bilden. Hier ist menschliches Maß zugrunde gelegt, denn die Holzreifen sind einfache Gymnastikreifen von verschiedener Größe. Mehrere dieser raumhohen Objekte hängen von der Galeriedecke herab.
Ein weiteres Material ist Seidenpapier, in gebrochenem Weiß oder dunkelbraun. Dieses näht sie mit Baumwollgarn zu einer größeren Fläche und drapiert es zu beachtlichen Skulpturen. In dem fein gefältelten Material bricht sich das Licht in subtiler Weise. Das Papier wird gewunden und geknautscht, bis eine deckenhohe Skulptur ihren Raum behauptet. Besonderes Augenmerk verdient das kragenähnliche Rund an zentraler Stelle auf dem Boden. Es erinnert an die festlichen Kragen vergangener Zeiten oder an Röckchen aus der Jetztzeit.
Wie immer werden aus privater Sammlung weitere Kunstwerke ergänzend zu den Werken der aktuellen Künstlerin hinzugefügt. Dazu hat Sarah Regensburger den Schweizer Künstler Jean Tinguely ausgewählt, der durch seine beweglichen und akustisch wirksamen Skulpturen bekannt wurde. Auch er verwendete – genau wie Vogt – Alltagsmaterialien für seine Arbeiten. In der Galerie sind ein Siebdruck, eine Collage und ein Bild in Mixed Media zu sehen. Bewegung und Leichtigkeit sind auch Tinguelys Anliegen.
Aber man kann auch Kritik aus seinen Werken lesen. So lässt sich der Siebdruck gleich rechts von der Eingangstür „Requiem pour une feuille morte“ als Kritik an der Gleichförmigkeit industrieller Vorgänge und der Produktion unnützer Dinge lesen.
„Écho Écho“ lautet der Titel der Ausstellung, der es ans Herz legt, den Nachhall der Ausstellung im Sinn zu behalten. Ute Bößwetter