Mit Rhythmik und Wohlklang

von Redaktion

Das Arcis Saxophon Quartett begeistert im Wasserburger Rathaussaal

Wasserburg – Konzertbesucher sind glücklich, wenn sie auch mitkonzertieren dürfen. Das Arcis Saxophon Quartett ermöglichte ihnen dies beim Rathauskonzert: Zu „Night Music“, einem Stück der irischen Komponistin Emma O‘Halloran (geboren 1985), das eine Nacht am Strand von Miami beschreibt, durften die Zuhörer ein Sommergewitter imitieren, mit Fingerschnippen als Tropfenrieseln, Klatschen auf die Oberschenkel als Regen und Aufstampfen der Füße als Donner – alles im abgedunkelten Saal. Dazu spielte das Saxophonquartett immer wieder aufbrandende und -gischtende Musik, durchzogen von Möwengeschrei und Wellenrauschen, gemacht durch tonloses Blasen in die Instrumente, alles mit einer aufregenden Schlusssteigerung.

Ungewöhnliche
Programmgestaltung

Das Quartett, bestehend aus Claus Hierluksch (Sopransaxofon), Bernardo Correira (Altsaxofon), Sonia Tcherepanov (Tenorsaxofon) und Jure Knez (Baritonsaxofon), hat sich beim Studium in München kennengelernt und mittlerweile viele internationale Preise gewonnen. Die Musiker bestechen durch lässiges, aber musikalisch akkurates Auftreten, eine sympathische Moderation, durch Lichtdesign, vor allem aber durch eine exzeptionelle Programmgestaltung.

So begannen sie das Konzert mit einem Quartett aus Aerophonen, das sind Luftschwinginstrumente, deren Klang digital verändert werden kann. Damit spielten sie „G-Spot Tornado“ von Frank Zappa (1940 bis 1993), dem genialen Rockmusiker. Dem Stück gaben sie den Titel „Rhythmic Intoxication“, also trunken von Rhythmik. Trunken vor Rhythmik, aber auch vom Wohlklang der vier Saxofone, waren die Zuhörer immer mehr bei diesem Konzert, das den Übertitel „Quirky Nightclub Chronicles“ trug, von dem Sopransaxofonisten übersetzt als „Verrückte Nachtclubgeschichten“.

Als „Soulfood“, also als Seelennahrung, bezeichnete das Programmheft die fünfteilige Suite „Tapas“ von Marc Mellits (geboren 1966). Diese Musik, die als postminimalistisch deklariert wird, spielten die Vier nicht minimalistisch, sondern höchst animiert, in schwelgerischer Intensität und symbiotischem Zusammenklang der vier Saxofone.

„Echoes of Life“ hat die aus der Mongolei stammende Shuteen Erdenebaatar (Jahrgang 1998) eigens für das Arcis-Quartett komponiert. Für diese gedankenschweifende und melodisch verschlungene und vor Lebenslust vibrierende Musik aktivierten die Vier alles an balsamisch klingenden Wohlklang, was ihre Instrumente hergaben: ein samtiges Klangbad.

Auch in der Tango-Suite von Astor Piazzolla – jetzt glühten die die Gruppe umgebenden Leuchtstäbe in rotem Licht – gab es neben temperamentsprühenden einen wehmütig-melancholischen Tango, bei dem man die Tangotanzpaare vor Augen hatte, die in La Boca, dem mit bunten Häusern bestückten Stadtviertel von Buenos Aires, in einem kleinen Lokal elegisch-akkurat ihre Tanzfiguren vollziehen. Genauso ernsthaft-elegisch spielte das Saxofon-Quartett, leuchtend farbig, mit einem grell weinenden Sopransaxofon durchzogen und lange verhallend – bis alle am Schluss in einen rhythmisch aufgeheizten ekstatischen Tango verfielen. Für den überaus begeisterten Beifall im gut gefüllten historischen Rathaussaal on Wasserburg bedankte sich das Arcis-Quartett mit einem Stück mit lustigem Scat-Singing, also einem textlosen Gesang, samt Füßestampfen und einem rhythmisch hervorgestoßenen „Huh!“ – noch ein Beispiel dafür, wie vielfältig doch Musik ist.

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