Rosenheim/Linz – Der ABÖN ist der Arbeitskreis für bayerisch-österreichische Namenforschung. Er feiert heuer sein 25-jähriges Bestehen. Als wissenschaftliche Vereinigung hat sich der ABÖN zum Ziel gesetzt, die Orts- und Personennamen im bayerisch-österreichischen Sprachraum zu erforschen. Bayerisch bedeutet hier nicht nur die Sprachen und Dialekte in Ober- und Niederbayern sowie in der Oberpfalz, sondern auch Schwäbisch und Fränkisch. Österreichisch umfasst hier nicht nur das bairische Dialektspektrum in Ober- und Niederösterreich, Salzburg, Kärnten, im Burgenland und in der Steiermark, sondern auch das alemannische Vorarlberg und interessanterweise auch die deutschsprachigen Gebiete der ehemaligen K.-u.-k.-Monarchie, wie beispielsweise Teile Tschechiens, Ungarns und Sloweniens, sowie, nicht zu vergessen, Südtirol.
Im Rahmen von insgesamt gut 25 Vorträgen während der Jubiläumstagung des ABÖN in Linz trug Armin Höfer seine Forschungen zu bestimmten Ortsnamen im Verbreitungsgebiet des OVB und seiner Heimatzeitungen unter anderem mit den folgenden Beispielen vor: So wusste der Referent von sehr markanten lautlichen Auffälligkeiten in „seiner“ sprachlichen Region zu berichten. Beispiel: Die „L-Vokalisierung“ im Ober- und Niederbairischen.
Die Ortsnamen Söhl (Gemeinde Tuntenhausen), Söllhuben (Gemeinde Riedering) und Söll in Tirol können allesamt von althochdeutsch sal (mittelhochdeutsch sel) in den – neben anderen – oftmals zitierten Bedeutungen sal (Maskulinum) „zu übergebendes Gut“ oder sal (Neutrum) „Wohngebäude, Herrensitz“ hergeleitet werden.
Abgesehen vom heutigen tirolerischen /sö/ verwundert die Aussprache /sêl/ für „Söhl“. Gemäß der im sonstigen Oberbayern üblichen L-Vokalisierung bei Vokal + L war zu erwarten: /säi, sej/. Man vergleiche: Geld >
Gäid, Gejd; Mühl(e) > Mui. Ein Bewohner von Söhl ist aber kein „Säier“, „Sejer, sondern ein /sêla/. Somit gibt es einen eklatanten lautlichen Gegensatz zu Söllhuben im Chiemgau, das regulär per L-Vokalisierung als „Sejham“ gesprochen wird. Sogar ein erst vor gut 15 Jahren neu errichteter Ortsteil der Gemeinde Brannenburg am Inn, standardsprachlich „Sägmühle“, der zuvor nur aus einem Einzelgehöft bestand, wird lokal-dialektal von den Einheimischen als /sogmil/, auch /sogmül/, artikuliert, nicht mit i als /sogmui/.
Daher: Anders als im Chiemgau oder im Münchner Raum ist am Rand des Wendelsteingebietes im südlichen Landkreis Rosenheim nicht nur in Ortsnamen, sondern auch in manchen anderen Wörtern keine L-Vokalisierung eingetreten: „Viel“ lautet hier /vil, vül (ungerundetes ü)/, nicht /vui/. Und es heißt hier nicht Fuizn, Schdoapuiz oder „wia hobdsn gschbuid?“, sondern Filzn, Schdoapilz, „wia hobtsn gschbild?“
Ein anderer Teil des Referats betraf die manchmal irrige Verschriftung von Ortsnamen im 19. Jahrhundert: Großbrunn (Gde. Albaching) und Großrain (Gde. Tuntenhausen) sind jahrhundertelang als „Gosprun“ und „Gosrhain“ belegt gewesen. Wie kam das „groß“ in den Namen? Eine Eindeutung für unverstandenes „Goß“ = Guss? Jetzt ein Fall fürs Landratsamt?