Bad Aibling – Magisch und geheimnisvoll, wahrlich eine „Magical Mystery Tour“, so stellen sich die Bilder der Landshuter Malerin Ursula Bolck-Jopp vor. Der Titel ruft die Erinnerung an das gleichnamige Album der Beatles wach, das uns mitnehmen will zu neuen Stätten mit unverwechselbaren Impressionen.
Das gelingt auch den Bildern von Ursula Bolck-Jopp, deren geheimnisvolle Atmosphäre den Betrachter in den Bann schlägt. Mit leichtem Pinselstrich gestaltet die Malerin Personen und Landschaften, immer bedacht darauf, das Wesen der Dinge zu erfassen.
Zwischen Eitelkeit
und Selbsterkenntnis
68 Bilder hängen in der Ausstellung, die Vielzahl ist durch die zum Teil sehr kleinen Formate zu erklären. Meistens sind es mädchenhafte Personen, die die Gemälde bevölkern. Mit knappen Strichen ist das Thema dargestellt und lässt viel Raum für das Empfinden des Betrachters.
Die oftmals großen leeren Flächen verleihen dem Besucher die Möglichkeit, das Werk in Gedanken im eigenen Sinne zu ergänzen. Mehrfach steht eine Frau, ein Mädchen, vor einem Spiegel und unternimmt den Versuch, sich selbst zu ergründen. Der Spiegel ist Symbol für Eitelkeit, aber auch für Selbsterkenntnis und Wahrheit. Letzteres kennen wir aus dem Märchen „Schneewittchen“, in dem die böse Stiefmutter den Spiegel immer wieder befragt. Die Antwort bleibt erschreckend ehrlich.
Eine positive Person erhält andere Antworten, das vermitteln uns die Gemälde von Bolck-Jopp. Ein ovaler Spiegel, ein mit dünnen Strichen erzeugter Kronleuchter, eine Vase mit einem Zweig darin, wenige Linien ergeben die Situation, in der eine weibliche Person ihr Gegenüber im Spiegel betrachtet.
Ein Mädchen, ebenfalls von hinten zu sehen, sitzt mit Katze auf einer Uferböschung in trauter Zweisamkeit, und obwohl die beiden sich nicht zueinander neigen, steht ihre Zusammengehörigkeit fest. Tiere – Hunde und Katzen – sind häufige Gefährten der Personen, und sie stehen immer in ruhigem Einvernehmen miteinander. Eine Ausnahme gibt es: Auf dem Bild der Einladungskarte bleibt der Hund sitzen. Dadurch wird der Weitergang des Herrchens gebremst. Die Leine schlingt sich um ein Gebäude und verursacht den Stillstand. Der Titel des Bildes lautet „Museumsbesuch“. Offenbar interessiert sich der Hund mehr für Kunst als das Herrchen.
Zahlreiche Bilder – ob mit Personen oder ohne – zeigen Nachtstimmung. Es ist die Stunde, da Wirklichkeit verblasst und die Traumwelt beginnt. Sternschnuppen schwimmen auf einem See, in dem sich die Skyline einer Stadt spiegelt. Bei näherem Hinschauen entpuppen sich die „Sternschnuppen“ als Staniolpapier von amerikanischen Kaugummis, die die Malerin während eines USA-Aufenthaltes sammelte. Sie finden so ein ständiges Zuhause in einem Bild der Landshuter Künstlerin, die damit eine weitere Bildebene schafft.
Eine Quittung
als Startpunkt
Fremdes in ihren Bildern findet man häufig, Quittungen oder persönliche Notizen bilden den Untergrund ihrer Zeichnungen und werden so ihrer Belanglosigkeit enthoben. Alles in allem stimmt diese Präsentation, obwohl sie so leichtfüßig daherkommt, nachdenklich.
Die Ausstellung ist noch bis zum 17. Mai in der Galerie Villa Maria, Rosenheimer Straße 43, Bad Aibling, zu sehen. Am Ende wird es eine Finissage geben.