Bad Endorf – Anlässlich seines 60. Geburtstages gastierte das weltberühmte Kodály Quartett auch im Kultwerk von Bad Endorf. Leider war der Saal nur mäßig besetzt, was aber der Spielfreude der ungarischen Musiker keinen Abbruch tat. Auf dem Programm des Abends standen Streichquartette von Haydn, Mozart und Schumann, aber auch ein Streichquartett von Zoltán Kodály.
Zu Beginn spielten Attila Falvay und Ferenc Bangó (Violine), Zoltán Tuska (Viola) und György Éder (Violoncello) Joseph Haydns originelles „Vogelquartett“ in C-Dur op. 33. Melodische Leichtigkeit und vollendete Harmonie verströmte das Allegro moderato, ein geheimnisvoll umschattetes Stimmungsbild kennzeichnete das Scherzo, das vom Kodály Quartett zart und durchsichtig interpretiert wurde. Auf ein schmerzlich bewegtes, idyllisch endendes Adagio folgte ein folkloristisch getöntes Finale, das witzig variiert im Pianissimo verklang.
Ernst und nach innen gekehrt begann Mozarts Streichquartett Nr. 16 in Es-Dur KV 428. Das spröde Allegro non troppo spielte das Kodály Quartett mit großer Klangsinnlichkeit, den langsamen Satz fein ausdifferenziert. Volkstümliche, verfremdete Passagen im Menuetto bildeten einen berückenden Gegensatz zum virtuosen Final-Rondo, das die ungarischen Musiker lebhaft zu Gehör brachten.
Ganz in seinem Element war das Kodály Quartett nach der Pause im Streichquartett Nr. 2 op. 10 seines Namensgebers Zoltán Kodály. Attila Falvay erklärte dem Publikum auf Englisch charmant und humorvoll die Besonderheiten des Werkes und spielte Themen auf der Violine vor. Leidenschaftlich und mit Temperament erklang das Allegro, dessen ungarisch eingefärbte Folkloristik das Publikum bezauberte. Weich und sonor tönte das Cello, hell und klar die beiden Violinen. Der impressionistisch anmutende Charakter des Werkes kam auch im Andante con moto zum Ausdruck. Feurig und energisch endete die Komposition im Allegro Giocoso.
Ein Klassiker der Kammermusik ist das Streichquartett Nr. 3 in A-Dur op. 41 von Robert Schumann. Sanft und verhalten interpretierte das Kodály Quartett den langsam beginnenden ersten Satz mit dem rhythmisch akzentuierten zweiten Thema. Berührend war das dreiteilige poetische C-Dur Trio im Scherzo, das durch einen getrommelten Begleitrhythmus des Hauptthemas gefangen nahm und einen scharfen Kontrast zum lyrischen Intermezzo bildete. Das Adagio erinnerte an den Beginn des langsamen Satzes von Beethovens neunter Sinfonie. Nach einem entrückten Moderato spielte das Kodály Quartett das stürmische Finale rasant und mit Enthusiasmus. Für den lebhaften Beifall bedankten sich die ungarischen Musiker beim Publikum anschließend noch mit einem Presto von Haydn.