Hemhof – Am morgigen Sonntag öffnet die Ausstellung „Wastl Fanderl (1915-1991) – ein Leben für die Volksmusik“ von 13 bis 18 Uhr wieder die Pforten in Schloss Hartmannsberg bei Hemhof (Markt Bad Endorf). Bei freiem Eintritt sind die vier Räume mit den unterschiedlichen Themen zugänglich: Es geht unter anderem um die beginnende Volksmusikpflege und Forschung in Oberbayern in den 1920er-Jahren, mit den Namen Kiem Pauli und Kurt Huber – aber auch mit Hans Kammerer (Burghausen) und den Geschwistern Schiefer aus Laufen. Dann folgen die 1930er-Jahre und der Krieg, unter anderem mit der Herausgabe von Fanderls erstem Liederbüchl „Hirankl-Horankl“ (1943).
Die Nachkriegsjahre bringen den großen Aufschwung der Volksmusikpflege in Oberbayern. Fanderl und Annette Thoma gründen 1958 die „Sänger- und Musikantenzeitung“, er ist Liedermacher und verbreitet mit seinen Gesangsgruppen Fanderl-Trio“ und „Die 4 vom Gamsstadl“ die Lieder in der neuen alpenländischen Dreistimmigkeit in den 1950er-Jahren auch im Bayerischen Rundfunk. Die Fernsehsendung „Bairisches Bilder- und Notenbüchl, aufgeschlagen von Wastl Fanderl“ in der ARD macht ihn deutschlandweit bekannt – in den Fanderl-Singwochen in Oberbayern und Südtirol lernen viele das neue Lebensgefühl mit der Volksmusik kennen. Ganz interessant sind dann die weiteren Auswirkungen seiner Arbeit ab den 1990er- Jahren bis zum heutigen Tag – die Vielfalt der Volksmusik wird auch mit Leihgaben aus dem Kreis der Volksmusikfreunde aufgezeigt.
Besonders wichtig sind die Begleitveranstaltungen an den Sonntagen, die die menschliche Komponente betonen. Am 3. Mai geht es in einem kleinen, öffentlich zugänglichen Arbeits- und Gesprächskreis um 11 Uhr um die Volksmusiksammlung, die Fanderl ab den 1930er-Jahren angelegt hat. Dazu werden auch einige Lieder angestimmt, die er von Gewährsleuten im Chiemgau und Rupertiwinkel aufgeschrieben hat. Um 14 Uhr besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Führung durch die Ausstellungsmacher. Die Besucher können natürlich auch selbstständig die Ausstellung anschauen und dürfen alles fotografieren. Sie sollten auch eine Tasche mitbringen, denn es liegen viele Liederblätter, Hefte der „Sänger- und Musikantenzeitung“ und Volksmusikbücher zur kostenlosen Mitnahme bereit.
Am Sonntag um 15.30 Uhr heißt es dann „He, Bäurin ist denn gar neamd z‘Haus?“ – Das ist der Anfang eines Liedes, das Wastl Fanderl in seinem Heimatort Bergen/Chiemgau schon in den 1930er-Jahren aufgeschrieben und weit verbreitet hat. Dort hat er schon in jungen Jahren die Lieder der Wirtshaussänger im nahen Gasthaus gehört, angestimmt unter anderem vom „Gamsei von Bergen“, einem Korbmacher mit Namen Josef Buchner (1882-1956) und seinen Mitsängern. Das „Gamsei-Trio“ hatte der 21-jährige Fanderl mit anderen örtlichen Musikgruppen 1935 bei einer Live-Sendung vom Reichssender München aus Bergen mit dem Titel „Ein Dorf singt und spielt“ dabei, die auch über den Deutschlandsender weiteste Verbreitung fand. Mit den „Bergener Kindern“ nahm er am Kinderpreissingen 1936 in Burghausen teil und zum Jahreswechsel 1935/1936 fand die erste „Fanderl-Singwoche“ in Bergen statt.
Am Abend um 18 Uhr gibt es ein besonderes „Schmankerl“: Eva Bruckner hat drei Fernsehsendungen des BR aus der ARD-Reihe „Baierisches Bilder- und Notenbüchl, aufgeschlagen von Wastl Fanderl“ ausgewählt, die kommentiert vorgeführt werden: Es geht um eine sehr frühe Sendung in schwarz-weiß „Volksmusik in Berchtesgaden“ (1964), dann „Rosenheim am Inn“ (1971) und schließlich um Musik, Landschaft und Personen aus „Frasdorf, Aschau, Inntal“ (1975). Besonders auch Besucher aus den Regionen und Orten sind zur Teilnahme eingeladen. Vielleicht gibt es auch etwas „von früher“ zu erzählen? Ernst Schusser