Bad Endorf – Die Orgel der Kirche St. Jakobus in Bad Endorf hat zwar ein Trompeten-Register, wenn aber eine echte Trompete dazu erklingt, ist der Effekt viel glanzvoller. Das Eröffnungskonzert der 32. Bad Endorfer Orgelwochen bewies das aufs Prächtigste: An der Orgel saß Johannes Berger, gebürtig aus Oberaudorf und längst ein international gefragter Organist, die Trompete blies Johannes Moritz, gebürtig in Oberösterreich und jetzt Solotrompeter im Bayerischen Staatsorchester: Johannes und Johannes also.
Schlackenlos rein
und sauber gestanzt
Von Anfang an erfreute der Trompeten-Johannes mit schlackenlos reinen und sauber gestanzten, ja ziselierten Tönen, leichter Phrasierung, müheloser Tongebung, langem Atem, strahlend-stählernem Glanz, aber auch weichschmelzender Einfühlsamkeit. Hohe Töne waren nie spitz oder gar grell, sondern immer wohlabgerundet. All dies demonstrierte er in dem Trompetenkonzert von Giuseppe Tartini in D-Dur mit dem fröhlich-festlichen Beginn und der virtuosen Kadenz im Schlusssatz, aber auch im Oboen-Konzert in d-Moll von Alessandro Marcello, das bekannt wurde, weil Bach es für Tasteninstrumente bearbeitet hat. Hier legte Johannes Moritz vor allem in die langgezogene Kantilene des Adagios großen Empfindungsreichtum, garniert mit galanten Verzierungen und lockeren Trillern. Tänzerische Eleganz und kapriziöse Virtuosität herrschte dann im Finale. Hatte Moritz bis dahin auf der kleineren Bachtrompete gespielt, wählte er für die modernen Stücke ein Flügelhorn. Man konnte dies sehen, weil die beiden Musiker abgefilmt und auf eine Leinwand überspielt waren. Melancholisch schön und filmmusiktauglich ist das „Cantabile“ von Enrico Pasini (1935 bis 2022), von Moritz traumschön geblasen und von Berger mit schwimmenden Harmonien versehen. Wie eine romantische Barockmusik, nur noch klagender und kantabler, wirkte die „Cantate“ von Georges Delerue (1925 bis 1992).
Hatte Johannes Berger sich als versierter Begleiter bewiesen, zeigte er in den Orgel-Solostücken, was für ein hervorragender Organist er ist. Heitere, aber viel Können verlangende Virtuosität demonstrierte er in „Rondeau“ aus „Arabesques“ von Naij Hakim (1955 geboren), einem französischen Komponisten libanesischer Herkunft. Zu Beginn hoch aufschießend und gleißend, wirkt die Musik zunehmend wie eine potenzierte holländische Straßenorgel mit schrägeren Akkorden: ein Orgel-Glanzstück. Noch mehr interpretatorische Furore machte Berger aber mit der monumentalen Toccata und Fuge in F-Dur von Johann Sebastian Bach. Energisch rasch und ohne Pathos – das doch naheliegend wäre – begann er, phrasierte hilfreich-deutlich, sodass man im tosenden Tonsturm der Toccata den Durchblick behielt, und spielte mit so viel Spielfreude, dass man sich selber als Zuhörer freute. Auf der Leinwand konnte man die Zielsicherheit der Finger auf den drei Manualen und die wirbelnden Füße beim langen Pedalsolo bewundern. Auch die Doppelfuge mit dem chromatisch absteigenden ersten Fugenthema gestaltete er so transparent, dass man die filigrane Fugenarbeit Bachs immer durchhören konnte.
Imponierend dann die grandiose Schlusssteigerung. Für den herzlichen Beifall bedankten sich die beiden Johannes mit der Bayernhymne, die die Zuhörer begeistert mitsangen.