Prien – „Yesterday“ oder „Let it be“: Songs der Beatles nachzusingen, machen und können viele. Aber diese Songs weiter zu denken, weiter zu interpretieren, ist eine ganz andere Hausnummer. Sven Faller (Kontrabass und Bassgitarre) und Philipp Stauber (Gitarre) machten sich beim Konzert in der evangelischen Christuskirche auf, ihre Lieblingssongs dem überaus zahlreich erschienenen Publikum vorzustellen.
Auch nach über einem halben Jahrhundert haben die Beatles-Songs nichts von ihrer Magie verloren. Allein die musikalische Schönheit nimmt gefangen. Und genau diese Komplexität, diese kompositorischen Details arbeiteten Stauber und Faller virtuos, mal einfühlsam, mal mitreißend, mal zart, mal energiegeladen heraus. Die musikalische Freundschaft der beiden Instrumentalisten, die seit über 30 Jahren gemeinsam Musik machen, tat das übrige. Da genügte ein kurzes Zunicken, eine Taktvorgabe oder ein kurzes Anspielen der Melodie, und schon begannen die beiden, den Zauber der Beatles-Songs auf ihre eigene Weise wirken zu lassen. Da sind die Raffinessen der grundlegenden Melodie und der sie begleitenden Instrumente wie beispielsweise die perlende Gitarrenkadenz für ein Gute-Laune-Gefühl bei „Here comes the sun“ oder der Rhythmus, der zum gemeinsamen Mitwippen einlädt bei „Come together“. Und da ist der geniale Schachzug, Pop mit Klassik zu verbinden: Da klingt bei „Blackbird“ die Melodie aus der Bachschen Lautensuite BWV 996 an und bei „Because“ schimmert Beethovens Mondscheinsonate durch. Oder eben Pop mit Riffs und Soul zu vermengen wie bei „Day tripper“ oder mit einer Sitar wie bei „Norwegian wood“. All diese Feinheiten machte das Duo Faller-Stauber transparent, da braucht es auch keine Worte.
„In my life“ interpretierten Sven Faller und Philipp Stauber zwar eigenwillig, doch die atemberaubende Stille zeigte, dass genau das beim Publikum ankam. Viele eigene Erinnerungen wurden wach, als die beiden von ihrem ersten Mal erzählten, als sie Beatles hörten. So manche Anekdote, die die beiden rund um die Songs erzählten, zeigte aber auch, dass die Beatles auch nur Menschen wie du und ich waren. So ist wohl Paul McCartney beim Komponieren von „Yesterday“ über eine verflossene Liebe erst mal auf „scrambled eggs“ und „long legs“ gekommen. Überhaupt widmeten sich die Beatles der Liebe wiederholt, dementsprechend kam es auch beim Konzertabend mehrfach vor.
Die Zugabe „Let it be“ sorgte für Raunen im Publikum. Der selbstbewusste Satz, „wir sind so gut wie das Original, nur anders,“ den Stauber zwischendurch mal geäußert hatte, wurde hier dem geneigten Zuhörer mehr als bewusst. Denn der einem Gospel nicht unähnlichen Song wurde von Faller und Stauber so wunderbar zart, mal klassisch-bekannt, mal verjazzt dargeboten, dass sich die selbstbewusste Ansage wahrlich mit Leben füllte, aber eben auch gleichzeitig eine Verneigung vor den Beatles war. Zeitlose Schönheit eben. Elisabeth Kirchner