Traunstein – Mit einer ungewöhnlichen Ausstellung überrascht derzeit der Kunstverein Traunstein die Öffentlichkeit. Noch bis 22. Mai läuft die aktuelle Frühjahrsausstellung der Mitglieder unter dem Titel „Odyssee 2026“. Das Besondere daran: Die Arbeiten der 45 Künstler – darunter auch sechs Videoclips – werden in rein digitaler Form präsentiert, und zwar auf dem Monolithen vor dem Landratsamt Traunstein.
Reminiszenz an
einen Filmklassiker
Geschaffen hat die im vergangen Herbst installierte, rund fünf Meter hohe LED-Stele der Künstler, Unternehmer und Hightech-Fan Christoph Babinsky aus Traunstein. Der digitale Monolith erinnert dabei nicht zufällig an die geheimnisvoll dunkle Stele aus Stanley Kubricks Science-Fiction-Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum“. Babinsky schuf damit einen bewussten Bezug zu jenen Objekten, die Kubricks Planetenbewohner einst zum Fortschritt beflügelten. Im Film stellt der Monolith einen Wendepunkt dar – einen für Veränderung und Erkenntnis. In der heutigen Zeit könnte dieser Monolith für die Herausforderungen und Möglichkeiten stehen, die uns in der Zukunft erwarten. Er fordert dazu auf, über die Grenzen des Bekannten hinauszudenken und neue Wege zu erkunden, sei es in Technologie, Umwelt oder menschlicher Kommunikation.
Daran knüpft auch der Kunstverein Traunstein mit dem Ausstellungstitel an. Die „Odyssee“ nimmt dabei gleich mehrere Bezüge auf. Neben dem Verweis auf den Filmklassiker von Kubrik geht es auch um die Neuausrichtung des Kunstvereins und ganz allgemein um die „menschliche Suche nach Identität, Sinn und der Überwindung von Widrigkeiten“, wie es Jeffrey Veit formuliert hat. Der Künstler ist – zusammen mit Monika Rackl, Uli Reiter und Christa Tauser – Teil eines Projektteams des Kunstvereins, das die Ausstellung organisiert hat. Das neue Team soll die Vorstandschaft des Kunstvereins in einer Phase der Umstrukturierung entlasten. „In einer Welt, die sich immer schneller wandelt und global von neuen technischen Medien dominiert wird, wird die Frage nach unserem Platz im Universum und der Bedeutung ,unserer Reise‘ auf eine neue und existenzielle Weise relevant“, sagt Veit.
In der Ausstellung haben sich die Mitglieder sehr unterschiedlich auf diese thematische Herausforderung bezogen: Es gibt narrative Ansätze, die sich dem Thema literarisch nähern, oder eher metaphorische, konzeptuelle oder abstrahierende Umsetzungen auf Leinwand, Papier oder im Videoclip. Allein: Schon aufgrund der Präsentationsform spielen in diesem Fall Leinwand und Rahmen, Größe, Haptik, Pinsel- oder Bleistiftstrich der „digital demokratisierten“ Werke nurmehr eine untergeordnete Rolle – allein der Inhalt zählt. Jedes Werk wird gleichlang präsentiert in der zwölfminütigen Werkabfolge, die rund um die Uhr jeweils zur vollen Stunde beginnt. Einer der Reize dieser ungewöhnlichen Präsentation ist nicht zuletzt auch die Interaktion mit der urbanen Umgebung, den Gebäuden, den Bäumen oder den vorbeiflanierenden Spaziergängern. Zum Glück kann man die Werke auch länger studieren. Etwa auf der Präsentation auf der Homepage des Vereins unter www.kunstverein-traunstein-galerie.de. Giovanni Gambasin nimmt in seinen surreal- vieldeutigen, feinziselierten Zeichnungen etwa Wellenmotive der Schiffsreise von Odysseus auf, Robert Dufter bringt Rautenmuster und geometrische Muster gekonnt in Fluss und Monika Rackl lenkt unseren Blick auf ein wildwucherndes, undurchdringliches Dickicht, in dem eine unförmige Masse gefangen ist.
Der Schleier
der Unschärfe
Hoffnung spendet der doppelte Regenbogen am Himmel auf einem Foto von Judith Metzner, während Luisa Heinz ein Selfie mit dem Handy durch Verfremdungseffekte zu einem Blick in einen unheimlichen Spiegel werden lässt. Inge Kurtz macht aus dem Porträtbild eines jungen Mannes eine digital fragmentierte Fratze und Hildegard Manzke löst das Kopfporträt einer jungen Frau raffiniert und geheimnisvoll hinter einem Schleier der Unschärfe auf.
Wahrhaft abenteuerlich gerät für KI-Experte Uli Reiter die schwindelerregende Fahrt in einem Paternoster, während Cosima Strähhuber eine rosa Figur auf einen rasanten Psychedelic-Trip schickt.