Prien – Ein traumhaft schöner Frühlingstag, überwölbt von stahlblauem Himmel und darunter ein friedlich vor sich „hin glucksender“ Chiemsee. Das waren die äußeren Rahmenbedingungen für das erste „Volksmusikschiff“ in diesem Jahr. Gut gelaunt warteten dann auch etwa 240 Passagiere am Steg auf ihren Einlass, hoch erfreut über den musikalischen Willkommensgruß, den ihnen die „Klarinetter“ der Messweinmusi von den Schiffsplanken aus entboten.
Von der Steiermark
bis in den Chiemgau
Marlene Anner mit ihrer langjährigen Organisationserfahrung auf dem Gebiet der alpenländischen Volksmusik, hatte auch heuer wieder im Auftrag der Marktgemeinde Prien, Abteilung Tourismus, für eine ausgewogene Mischung bei Herkunftsorten und Altersschichtungen der Gesangs- und Musikgruppen gesorgt. Der landschaftliche Bogen spannte sich diesmal von der Steiermark über Salzburg und München bis in den südlichen Chiemgau.
Vorgestellt wurden die einzelnen Interpreten im Laufe der Fahrt von Siegi Götze, der wie üblich Wissenswertes mit Humorvollem zu verbinden wusste. Wie sehr die heutigen Gesangsgruppen neben ihren tradierten Liedern und Jodlerweisen auf der Suche nach gediegenem Neuen sind, bewies der „Steibay Dreigesang“ eindrucksvoll. Das Liedrepertoire von Gerhard Seyen aus dem Steirischen Bad Aussee (dritte Stimme) zusammen mit Claudia Sturm, Inning (erste Stimme) und Sissi Taubert, Hechendorf (zweite Stimme) stammte fast ausschließlich aus Heinz Neumaiers kürzlich herausgegebenem Liederbuch „Alte Verse und neue Singweisen“. Da treffen altbairische Literaturperlen auf einen, mit viel Feingefühl fürs Traditionelle neu geschaffenen Notensatz. Auch Jodler zählen dazu, die an Innigkeit Ihresgleichen suchen. Roman Messerer und seine Frau Daniela aus dem „Bairer Winkl“ sorgten für die feinfühlige ,musikalische Begleitung.
Weit in die Vergangenheit zurück konnte man gedanklich mit den „Adlgaßer Sängern“ aus Inzell reisen. Ihr Lied „Wia waar es schlecht um uns bestellt, gaab es koa Salz auf derer Welt…, ein von Marlene Lindmair vertonter alter Wasserburger Salzspruch, beschrieb anschaulich den Wert des „Weißen Goldes“ über viele Jahrhunderte bis in unsere Zeit. Selbstverständlich hatten die vier sangesfreudigen „Mannerleut“, auf der „Knopfharmonika“ von Mitsänger Peter Holzner fein begleitet, auch frische Jager-, Wildschützen-, Fuhrmanns- und Wirtshauslieder parat, wofür es verdienten Applaus gab.
Drei der sechs Gruppen waren zum ersten Mal auf der „MS Edeltraud“ mit dabei. So beispielsweise die Fischereimeisterin Irmi Wallner aus Chieming (Diatonische Harmonika) und ihre beiden Söhne Wasti (Gitarre/Basstrompete) und Toni
(Diatonische Harmonika). Sie bekamen als „Thomafischer – Hausmusi“ für ihre resche und ausgesprochen facettenreiche Spielweise viel Aufmerksamkeit in den verschiedenen Schiffsräumen. Die „Unkener Messweinmusi“ bestach bei ihrem ersten Auftritt auf dem Volksmusikschiff mit instrumentaler Vielseitigkeit und sichtlicher Freude am Musizieren in der Gruppe. Walzer, Polkas und Landler, dargeboten wechselweise auf Querflöte, Hackbrett, zwei Klarinetten, Ziach und Harfe, ließen den mehrfach geäußerten Wunsch aufkommen, dieses hochmusikalische „Kleeblattl“ aus dem Land Salzburg öfter einmal in unseren Breitengraden hören und sehen zu können.
Das galt uneingeschränkt auch für den, in der bekannten Besetzung leicht veränderten „Wiesberger Dreigesang“, ebenfalls aus dem Salzburger Land, der spontan für den verhinderten „Almbach Dreigesang“ eingesprungen war. Christina Ömmer, Magdalena Gschwandtner und ihre Tochter Magdalena Golser, ersangen sich mit Liedern wie „Oh du scheene süaße Nachtigall“, „Geh nur eina, du schwarzaugata Bua“ und einigen handverlesenen Jodlern aus der „Salzburger Lieder und Jodlerschatztruhe“ rasch die Herzen der Zuhörer. Ihr Lied „Wie ist doch die Erde so schön“ klang fast wie ein ruhiges Gebet in unruhigen Zeiten. Ein Blick aus dem Schiffsfenster auf den Chiemsee mit seinen drei Inseln und die noch etwas schneebedeckte umliegende Chiemgauer Bergwelt unterstrich diesen Liedtext.
Innigkeit, Originalität
und Schönheit
Der Komponist, Musiker und Dirigent Max Bruch hat über diese Art von Liedern einmal gesagt: „An Innigkeit, Originalität und Schönheit ist nichts mit dem Volkslied zu vergleichen“. Die Schiffspassagiere hatten es wohl auch so gesehen und spendeten, nach einem Augenblick der andächtigen Stille, den wohl verdienten Applaus. Bleibt noch die „Lindlalm Musi“ zu erwähnen, benannt nach einer Chiemgauer Alm bei Bernau. Hier bildete die Musikschulleiterin Brigitte Buckl (Akkordeon) ein hörenswertes Instrumentalquartett, zusammen mit ihrer Kollegin Heidi Martl (Kontrabass), dem Gitarristen Martin Prochaszka vom ZEMuli in Bruckmühl (Gitarre) und Helmut Scholz ( Zither). Alles in allem eine „runde“ Sache. Das nächst Volksmusikschiff ist für den 26. September dieses Jahres vorgesehen.