Fünf Virtuosinnen des himmlischen Instruments

von Redaktion

Junge Musikerinnen glänzen beim Abschlusskonzert des Meisterkurses Harfe in Sachrang

Aschau/Sachrang – Die Harfe, eines der ältesten Musikinstrumente der Menschheit, stand beim Abschlusskonzert der Meisterklasse Harfe unter Leitung von Professorin Margit-Anna Süß im Mittelpunkt. Doch sollte man eher sagen, der Fokus lag auf den fünf jungen Harfenistinnen. Denn die hatten einen dreitägigen Meisterkurs bei Süß in Sachrang absolviert und spielten nun im großen Saal des Gasthaus „Zur Post“ in Sachrang.

Den Anfang machte Harfenstudentin Klara Maj (Posen, Graz), die das Konzert für Harfe in B von Georg Friedrich Händel feinsinnig-charmant erklingen ließ. Die Gesangslinie filigran und die Verzierungen elegant ausgeführt, da brauchte es keine Orchesterbegleitung, der Zauber entfaltete sich auch so. Die erst elfjährige Aryana Devine (Wien) verzückte das Publikum mit „La Source“ von Albert Zabel (1834 bis 1910) und mit dem „Barockflamenco“ von Deborah Henson-Conant (Jahrgang 1953). Da mutierte die Harfe zur Gitarre und zum Schlaginstrument, da wurde auf den Saiten gestrichen, gezupft, geschliffen, da wechselten sich zarte barocke Menuettmelodien mit feurigen Flamenco-Rhythmen samt „Ole“-Ruf ab.

Nicht minder technisch anspruchsvoll waren „Danse sacrée“ von Claude Debussy und „Nocturne“ von Michail Glinka, die Daphne Spiewok (17) aus Gstadt virtuos zum Besten gab. Den sakralen Tanz, einem archaischen Ritus folgend, gestaltete Daphne, begleitet von ihre Mutter am Flügel, geheimnisvoll, sanft klingend. Bei der „Nocturne“ schwelgte Daphne Spiewok in impressionistisch-zarten Klangfarben.

Die 15-jährige Anna-Rosalie Bauder (Wolfgangsee) bot eine Sonata in h-Moll von Domenico Scarlatti dar: Dynamisch ausdrucksstark, mal romantisch, mal melodramatisch. Beim „Impromptu“ in Des von Gabriel Fauré präsentierte sie den ganzen Facettenreichtum ihres Saiteninstruments: klanglich reizvoll, energiegeladen, voll von feiner Magie, elegant und schwebend-verträumt.

Die bekannte Smetanasche „Moldau“ in der Bearbeitung von Hanus Trnecek klangmalerisch auszugestalten gelang der Harfenstudentin Julia Petkanicova (Bratislava, Graz) vorzüglich: Vom Murmeln der zwei kleinen Moldauquellen über den kleinen munteren Bach bis hin zum Fluss, der an der Prager Burg vorbeiströmt und schließlich in die Elbe mündet. Die Harfe als musikalische Erzählerin reichte vollkommen.

Neue faszinierende Klangwelten taten sich zum Finale mit „Parvis“ für zwei Harfen von Bernard Andrès (Jahrgang 1941) auf. Klara Maj und Julia Petkanicova hatten im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun: Moderne Emotionalität und Rhythmik wechselten sich mit gefälligen, tänzerischen Rhythmen ab, melancholische Stimmung mit freudvollen Tönen, geheimnisvolle Akkorde mit wohlklingenden Harmonien – ein technisch herausforderndes Werk, bei dem die beiden Harfenistinnen leidenschaftlich die Satzangaben cortege und danse auskosteten.

In der griechischen Mythologie war die Harfe das Instrument des Orpheus, der mit seiner Musik sogar die Toten emotional berühren konnte. In Sachrang waren es die fünf jungen Harfenistinnen, die für große Begeisterung sorgten. Die Leidenschaft für das Musizieren, das Brennen für die Musik war den Künstlerinnen anzusehen. Von Druck keine Spur. Und die Harfe? Sie ist und bleibt ein göttliches Instrument, dem man kann ihr nicht nur engelsgleiche, klassische Töne und Farben entlocken kann, sondern eben auch unkonventionelle, rhythmisch sehr intensive. Elisabeth Kirchner

Artikel 7 von 11