Prien – Mit Behutsamkeit und Feingefühl, mit großer Sensibilität und feinem Humor erzählt Regisseur Welf Reinhart vom „Verlorenen Mann“. Ja, es geht um Demenz, aber mehr noch ist es eine Dreiecks-, eine Liebesgeschichte vor großartigen Landschaften. Zur Vorpremiere kamen der Regisseur, der auch zusammen mit Tünde Sautier das Drehbuch für den Film geschrieben hat, der bei Prien lebende Schauspieler August Zirner und Produzent Philipp Maron in Mikes Kino.
Plötzlich steht
der Ex-Mann vor der Tür
Der Journalist und Radio-Moderator Manuel Hinmüller begrüßte das Trio. Gefragt, was das Besondere des Films ausmachte, antwortete Zirner stellvertretend für seine beiden Mitstreiter: „Sich einzulassen, was es heißt, zu lieben und nicht zu lieben.“ Neugierig machende Worte, aber da hieß es schon: Film ab. Die Künstlerin Hanne (Dagmar Manzel) und der pensionierte Pfarrer Bernd (August Zirner) führen eine glückliche, aber mittlerweile etwas eingefahrene Ehe, als wie aus dem Nichts Hannes früherer Ehemann Kurt (Harald Krassnitzer) vor ihrer Tür steht. Dieser kann sich aufgrund seiner Demenzerkrankung nicht mehr erinnern, dass er und Hanne bereits seit über 20 Jahren geschieden sind.
Das Paar nimmt ihn vorübergehend bei sich auf, eine verloren geglaubte Leichtigkeit kehrt in ihre Ehe zurück. Doch je mehr Zeit vergeht, desto stärker gerät das gemeinsame Leben aus den Fugen. Denn während Hanne sich immer wieder an die Vergangenheit erinnert, behält Kurt in der gegenwärtigen Wirklichkeit seine charmante Persönlichkeit, wähnt sich im Hier und Jetzt.
Bernd, der zunächst mitspielt und jede Eifersucht verdrängt, setzt dieser offenen Beziehung schließlich ein Ende. Und auch Hanne muss erkennen, dass es durch die fortschreitende Krankheit Kurts keine Gemeinsamkeiten mehr mit Kurt gibt. Doch da gibt es, zu beider Glück, Bernd.
Wie Welf Reinhart erzählte, hat er selbst eine Ausbildung als Demenzhelfer begonnen und über ein Jahr zwei demenzkranke Männer betreut, von denen einer gerade einmal 50 Jahre alt war. Er betonte: „Es gibt keine zwei gleichen Alzheimer-Patienten und -patientinnen.“ Von daher sei es auch im Film nie wichtig gewesen, ob etwas falsch oder richtig dargestellt wird. Und weiter sagte er: „Es sollte kein Problemfilm werden.“ Es gehe mehr um Beziehungen – eine Dreiecksgeschichte, eingebettet in schöne Natur, umgeben von Kunst und auf die Imagination der Zuschauer setzend.
Und genau darum habe er auch zugesagt, ergänzte August Zirner an dieser Stelle. Aber ihm habe auch gefallen, wie sehr Reinhart das Thema fesselt. Es ist Reinharts Spielfilmdebüt, ein Low-budget-Film, alle Teilnehmer am Set sind jung, im Gegensatz zu den drei Hauptdarstellern.
Wie kommt man da zusammen? Er habe sich den August Zirner in der Rolle des Bernds sehr gut vorstellen können, sagte Reinhart. Schon während eines Gesprächs bei Zirners zu Hause sei klar gewesen: „Da besteht Vertrauen.“ Auch bei den Dreharbeiten habe man von den Erfahrungen und dem Miteinander profitiert. „Es war ein Glücksfall“, sagte Reinhart. „Wir waren alle auf Augenhöhe“, erklärte Zirner. Von den Zuschauern kamen weniger Fragen als Lob. So sagte eine Zuschauerin, es sei tröstlich, zu sehen, wie die Beziehungen trotz Krankheit wachsen. Eine andere Dame meinte, dass das Spiel so natürlich, so berührend wirke. Das sei das oberste Ziel der Schauspielerei, sagte Zirner. Natürlich habe man sich an das Drehbuch gehalten. Aber die Schneeballschlacht an einer Stelle im Film? Das war reine Spiellust, erklärte Reinhart. Schnee könne man ja nicht auf Knopfdruck bestellen.
Deutschlandweit
am Start
„Der verlorene Mann“ ist ein Liebesfilm, der auch davon erzählt, wie man dem Alter und der eigenen Vergänglichkeit noch so viel Leben wie möglich abtrotzen kann. In Rotterdam feierte der Film Ende Januar Weltpremiere auf dem renommierten International Film Festival Rotterdam im Rahmen eines Wettbewerbes für internationale Debütfilme. Seit 7. Mai wird der Film deutschlandweit in 130 Kinos gezeigt.