Mühle in den Ortsnamen: Mühl, Mui, Meji oder Mill?

von Redaktion

Rosenheim – Wer sich umfassend und fachwissenschaftlich über den Begriff und Gattungsnamen „Mühle“ informieren will, dem sei der Aufsatz „Mühlen-Ortsnamen in Bayern“ empfohlen, den der Ortsnamenforscher („Lexikon bayerischer Ortsnamen“) Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein in der Fachzeitschrift „Blätter für oberdeutsche Namenforschung“, 58. Jahrgang, im Jahre 2021 veröffentlicht hat.

Keine Überraschung, dass der Begriff „Mühle“ seit Urzeiten belegt ist. Wie der Autor zeigt, findet man den Namen „mylä“ im Altgriechischen schon aus der Zeit um 800 v. Chr., wobei die Handmühle bezeichnet wurde. Die lateinische Bezeichnung „mola“ bedeutete „sowohl Wasser- als [auch] Esel- und Handmühle“, wie der Gelehrte anmerkt. Das deutsche Wort „Mühle“ geht laut Wolfgang Pfeifer („Etymologisches Wörterbuch“) auf Spätlateinisch „molina“ mit der Bedeutung „Wassermühle“ zurück. Interessant: Dieses lateinische Fremdwort im Althochdeutschen (750 bis 1050) hat das germanische Wort für „Mühle“, nämlich „quirna“, wohl vor allem deswegen verdrängt, weil mit „molina“ die damals modernen römischen Wassermühlen bezeichnet wurden, während die „quirna“ die damals schon veraltete germanische Handmühle bezeichnete. Neue Technik, neue Termini technici!

Die Entwicklung zum heutigen Begriff „Mühle“ erfolgte ab dem 8. Jahrhundert n. Chr. über althochdeutsch muli, mulin, mittelhochdeutsch (1050 bis 1350) mül, müle – das U von muli wurde durch das folgende I zu Ü umgelautet – bis zur heute noch üblichen Bezeichnung. Allerdings weist diese ein paar feine dialektale Varianten auf: Statt „Mühle“ heißt es im altbayerischen Sprachraum mal „Müll“, mal „Mill“, mal „Mui“, mal „Meji“.

Im Aufsatz von Reitzenstein werden die regionalen und dialektalen Unterschiede anhand von prägnanten Beispielen verdeutlicht. So werden im oberpfälzischen Nordbairisch die Rammühle bei Schwandorf „Rommüll“, im niederbayerischen Mittelbairisch die Aichmühle bei Passau „Oachmui“, im oberbayerischen Mittelbairisch die Mehlmühle im Landkreis Erding „Moimui“ genannt. Hier kann man sehr genau die sprachlichen Variationen zwischen Nord- und Mittelbairisch beobachten: In der Oberpfalz bleibt das L erhalten, in Ober- und Niederbayern wird es zum I vokalisiert, analog zum Wort „viel“: Im Norden des bairischen Sprachraums sagt man „vüll“ und „vill“, im südlicheren Teil „vui“ und „veji“. So heißt Mühldorf am Inn in der nächsten Ortsnähe – Zangberg, Pürten, Grünbach – „Muidorf“, aber zehn Kilometer weiter nördlich von Mühldorf – Schönberg, Niedertaufkirchen, Roßbach – „Mejidorf“.

Diese Erkenntnisse verdanken wir dem Artikel „Der Ortsname Mühldorf“ des Ortsnamenforschers Wolfgang Janka, den dieser in der Zeitschrift „Das Mühlrad“ im Jahre 2020 veröffentlicht hat.

Im Südbairischen, das laut Dialektforscher Eberhard Kranzmayer im Freistaat Bayern allein im südlichen Landkreis Garmisch-Partenkirchen vorkommt, aber sich von Tirol bis Südtirol und Kärnten erstreckt, bleibt das L in Wörtern wie „Mühle“ und „viel“ genauso wie in Nordbayern erhalten.

Wirklich nur im Raum „GAP“? Peter Huber, Inhaber und Wirt vom Café Moosmühle in Bad Feilnbach, sagt: „Moosmui“. Fini Ebersberger, die nur drei Kilometer weiter südlich wohnt, sagt: „Moosmill“. Oiß klar? Südbairisch beginnt am Fuße der Farrenpoint! Armin Höfer

Artikel 3 von 11