Maler in Tönen und Klängen

von Redaktion

Eröffnungskonzert des 23. „Chiemgauer Musikfrühling“ im Kulturforum Klosterkirche

Traunstein – Bei lauen frühlingshaften Temperaturen strömten gut 200 von freudiger Erwartung erfüllte Besucher in den großen Saal des Traunsteiner Kulturforums Klosterkirche – die meisten davon treue Stammgäste seit über zwei Jahrzehnten. Es lockte das festliche Eröffnungskonzert des „23. Chiemgauer Musikfrühling“. In beinahe familiärer Atmosphäre und Freude „wieder daheim“ zu sein, eröffneten Razvan Popovici und Diana Ketler, Initiatoren und Leiter des Musikfrühlings, das Chiemgauer Kammermusikfestival mit weltweit gefragten Musikern, das sich Jahr für Jahr größerer Beliebtheit erfreut.

Liebevoll um das Wohl
der Künstler gekümmert

In Vertretung von Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer eröffnete seine Stellvertreterin, Burgi Mörtl-Körner, den Musikfrühling und hob im besonderen Catalina Popovici, die Mutter von Razvan, als „die Seele des Musikfrühlings“ hervor, die sich jedes Jahr um das Wohl der Künstler liebevoll kümmert, was Kost und Logis betrifft. 35 Jahre lang unterrichtete Catalina Generationen von Schülern am Klavier im Achental, ebenso wie ihr verstorbener Mann Mugurel Popovici im Fach Violine. Diana Ketler führte kurz in die schönen Kompositionen des Abends ein.

Den Anfang machte das wunderschöne „Prélude à l´après midi“ von Claude Debussy (1862 bis 1918) L.86 für Klarinette, Flöte und Klavier in einer Bearbeitung von Michael Webster. Debussy gilt als „Erfinder und Vollender des musikalischen Impressionismus“, was in dem anfangs melancholischen, zarten, sanften Prélude wunderbar zum Ausdruck kommt. Oft wird er mit Malern wie Claude Monet, Auguste Renoir oder Camille Pissarro in Verbindung gebracht, denn er sah sich selbst als einen „Maler in Tönen und Klängen“. Manchmal wurde er deshalb als zu oberflächlich kritisiert, aber ihm ging es vielmehr um das Festhalten der geheimnisvollen Übereinstimmung zwischen Natur und Imagination, eine Kunst, in der das nicht genau Fassbare zum Ausdruck kommt. Bei dem inspirierten Spiel von Diana Ketler am Klavier, der großartigen russischen Flötistin Irina Stachinskaya, die heuer erstmals beim Musikfrühling auftritt, und dem begnadeten Klarinettisten Thorsten Johanns war es ein Musikgenuss „zum Hineinknien“, wie der begeisterte Applaus und die Reaktionen des Publikums zeigten.

So eingestimmt war das folgende Klarinettentrio von Johannes Brahms (1833 bis 1897) für Klavier, Klarinette und Violoncello a-Moll, opus 114 mit seinen lyrischen Themen und klanglich tänzerischer Leichtigkeit eine schöne Entspannung. Der Altmeister am Violoncello, Justus Grimm („alt“ heißt langjähriges Mitglied beim Musikfrühling), brillierte zusammen mit Klarinette und Klavier um die Wette.

Klarinette und Flöte
zwitschern im Dialog

Das traf umso mehr auch beim letzten kurzen Stück vor der Pause zu, der Tarantelle für Klarinette, Flöte und Klavier, opus 6 von Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921).

Insbesondere Klarinette und Flöte zwitscherten im Dialog oder zu dritt mit dem Piano voller Lebensfreude und Leichtigkeit, dass sie nur vom erwachenden Frühling inspiriert sein konnten.

Den strahlenden Abschluss des Konzerts bildete nach der Pause das bekannte Streichquintett Nr. 2 in G-Dur, opus 111 von Johannes Brahms, geschrieben im Sommer 1890 in Ischl und im selben Jahr in Wien uraufgeführt.

Brahms hielt es einige Zeit für sein letztes Werk, denn vor seinem Abschied von Ischl schrieb er an seinen Verleger Karl Simrock: „Viel zerrissenes Notenpapier habe ich zum Abschied von Ischl in die Traun geworfen.“ In dem temperamentvollen, konzentrierten und vitalen Alterswerk ist allerdings wenig von Abschied zu spüren. Denn auch der alte Brahms war noch immer auf dem Weg, ein Suchender.

Nach dem voluminösen ersten Satz folgen zwei eher traurige, sanfte Mittelsätze, bevor im Finalsatz sogar ein übermütiger Csardas-Tanz zu seinem Recht kommt.

Wundervoll, federleicht schienen die Streichinstrumente mit Alissa Margulis und Erik Schumann, Violinen, Matthew McDowell und Razvan Popovici, Bratschen, sowie Justus Grimm am Cello in einem andauernden, mal fröhlichen, mal ernster werdenden Diskurs miteinander zu stehen, oft angeführt von den Ton angebenden Geigen.

Alle Musiker des Abends überzeugten restlos durch ihr virtuoses, mit Hingabe und Konzentration aufeinander abgestimmtes Spiel, aber auch durch Temperament und reine Spielfreude. Nach dem letzten Ton waren Glücksgefühle und Entspannung sowohl bei den Musikern als auch beim Publikum in den Mienen und natürlich bei den nicht enden wollenden Beifallsbezeigungen offensichtlich.

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