Einschmeichelnde Posaunen

von Redaktion

Prachtvolle Barockmusik mit „Concenti musicali“ in der ehemaligen Rotter Klosterkirche

Rott – Posaunen lassen normalerweise Mauern wie die von Jericho einstürzen oder rufen zum Jüngsten Gericht. Dass sie aber lind und zart, ja einschmeichelnd klingen können, war eine freudige Überraschung im Konzert der „Concenti musicali“ in der ehemaligen Klosterkirche von Rott. Peter Adler hatte für sein Konzert mit Festmusik für den Wiener Kaiserhof ein großes Orchester mit historischen Instrumenten engagiert: das fünfköpfige „Schwanthaler Trompetenconsort“ samt Pauke, drei Posaunen, ein Fagott und einen Violone für den Bass-Part, Laute und Orgel, dazu zwei Violinen.

Nicht nur laut, sondern
farbig und schmiegsam

Die Bläserdominanz sorgte für große Klangpracht, die aber nicht bloß laut war, sondern ungemein farbig und schmiegsam. Peter Adler hat wieder einmal in Archiven gegraben, unter anderem im Kloster Ottobeuren, und eine „Missa Paschalis“ gefunden, die einmal Johann Josef Fux, einmal einem Mathias Öttl zugeschrieben wird. Adler meint: Sie stammt wohl – wie auch vielleicht die anderen beiden aufgeführten Werke – von Abraham Megerle, dem 1607 in Wasserburg geborenen Komponisten, der Domkapellmeister in Konstanz und Salzburg war, aber auch für den kaiserlichen Hof in Wien komponierte.

Vor der „Missa Paschalis“ kam eine Lauretanische Litanei. Pauken, Trompeten und Posaunen, diese königlichen Instrumente, huldigen Maria, der Königin des Himmels. Warm und weich klingend begleiteten sie die Solisten, so bei der Anrufung Mariens als „rosa mystica“. Die Solisten standen zwischen Orchester und Chor, sodass sie kaum zu sehen waren und ihre Stimmen wie aus dem Himmel kamen. Leicht und instrumental geführt war der Sopran von Mirjam Striegel, wendig der Altus von Markus Forster, streng strahlend der Tenor von Eric Price und voluminös der Bass von Michael Mantaj. Die beiden Geigen (Guillermo Martinez und Szofia Breda) umspielten immer wieder figurationenreich die Solisten. Bei „Refugium peccatorum“ (Zuflucht der Sünder) versank die Musik in schmerzreichen chromatischen Wendungen, die der Chor, der Madrigalchor Edling/Wasserburg, deutlich markierte. Immer wieder hochaufschießender, bei den Solisten mit vielen Koloraturen verzierter Jubel herrschte im „Regina Coeli“. Beide Werke passten in den Marienmonat Mai.

Höchst klangprächtig und in den Zeitmaßen ausladend ist die „Missa Paschalis“, wahrlich eine imperiale Messe: Die Ostermesse muss mit dieser Musik etwa drei Stunden gedauert haben. Die Bläser durften hier stählern aufstrahlen, das Fagott durfte nicht nur Bassinstrument, sondern ganz agile Begleitung sein, die Posaunen umhüllten das Geheimnis der Menschwerdung Christi („Et incarnatus est“) mystisch-weich, im „Crucifixus“ hörte man im Chor das Kreuz-Motiv, das „Benedictus“ war ungewohnterweise von Trompetergeschmetter begleitet: Überraschungen, wohin man hörte.

Feurig lobender
Schlussjubel

Natürlich zeigte sich der Komponist gelehrig in der Fugenkunst. Der gut einstudierte Chor war unermüdlich und in der Spannung nie nachlassend im Jubeln, im Fugen-Gesang und in den Anbetungs-Passagen, alles von Peter Adler mit temperamentvoller Ganzkörper-Gestik angefeuert. Der Schlussjubel war dementsprechend feurig lobend.

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