Fesselnde Emphase und spielerische Brillanz

von Redaktion

Internationales Ensemble spielt Klaviertrios von Schubert und Dvorák im Schlosssaal von Neubeuern

Neubeuern – Sie kommen aus den unterschiedlichsten Weltgegenden, aber die Musik verbindet sie. Gülru Ensari (Klavier), Raphael Bell (Cello) und Liana Gourdjia (Violine) brillierten im Schlosssaal von Neubeuern mit Werken von Schubert, Ravel und Dvorák. Das Zusammenspiel des türkisch-amerikanisch-russischen Trios bot ein spannungsvolles Miteinander auf höchstem kammermusikalischem Niveau.

Zunächst erklang das träumerische Notturno in Es-Dur für Klaviertrio D897 von Franz Schubert. Schubert hat das Notturno, das leider nicht so bekannt ist wie die beiden großen Trios, vermutlich in seinem Todesjahr komponiert. Die drei Musiker schufen ein bezauberndes lyrisches Stimmungsbild mit zwei eingängigen Melodien, in dem alle drei Instrumente gleichgewichtig harmonierten. Maurice Ravels Sonate für Violine und Violoncello, die damals als kaum spielbar galt, gehört vielleicht zu seinem bedeutendsten Werk für die beiden Instrumente. Mal hektisch und nervös, dann wieder duftig und zart mit weichen Pizzicati der Geige entfaltete sich das Allegro, das wegen seines harten Kontrasts zwischen Dur und Moll etwas fremdartig wirkte. Der vom Cello gezupfte sanfte Rhythmus erinnerte an fallende Regentropfen.

Nach dem technisch perfekt gespielten Scherzo folgte ein langsamer Satz mit aufwühlenden und kraftvollen Dissonanzen. Immer wieder schienen sich die einzelnen Themen fast unmerklich aufzulösen. Im lebhaften Finale faszinierten zitternde Geigentöne und ein galoppartiger Rhythmus. Liana Gourdjia und Raphael Bell spielten das anspruchsvolle Werk mit Leidenschaft und Hingabe.

Nach der Pause stand das düstere Klaviertrio Nr.3 in f-Moll op. 65 von Antonin Dvorák auf dem Programm. Bewegend waren im Allegro ma non troppo das geisterhafte Pianissimo von Geige und Cello und die melancholische Gesangsmelodie im Seitensatz. Gülru Ensari schuf am Klavier unruhige Klangflächen, während im zweiten Teil eine herrliche Cello-Kantilene ertönte. Die Schlussstretta spielten Ensari, Bell und Gourdjia mit fesselnder Emphase. Lebhaft erklang das tänzerische Allegretto grazioso, in dem erst das Klavier und dann die Geige das Thema aufnahm. Sein ausladender Mittelteil endete nach einer leichten Entspannung in schroffen Mollwendungen. Der dritte Satz ergriff mit einem träumerischen Gesang der Violine.

Im Finale bestachen ein finsteres und ein schmerzlich bewegtes Gesangsthema. Der Satz, den das Trio ausdrucksstark und makellos zu Gehör brachte, gipfelte immer heroischer in einer knappen Schlusssteigerung in F-Dur. Begeisterter, lang anhaltender Beifall des Publikums beendete ein überragendes Kammerkonzert. fü

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