Zwischen Licht und Dunkelheit

von Redaktion

Junge Musiker geben ein eindrucksvolles Frühjahrskonzert auf Schloss Hartmannsberg

Bad Endorf – Der Blick aus den Fenstern des Klaviersalons von Schloss Hartmannsberg geht über den sonnenglitzernden See auf maiengrünen Wald und Wiesen. Im Salon präsentierten die beiden Geigerinnen Clara Neidenberger und Bernadette Pihusch zusammen mit Narongchai Treepornwasu (Gitarre) und Yume Hanusch (Klavier) vor einem begeisterten Publikum ein abwechslungsreiches Frühjahrskonzert.

Entgegen der Ankündigung im Programmheft spielte Clara Neidenberger zu Beginn die Violinpartita Nr. 2 in d-Moll von Johann Sebastian Bach. Getragen und ruhig erklang die Allemande, die die junge Geigerin ernst und konzentriert interpretierte. Rhythmische Melodik mit scharfen Punktierungen verströmte die Courante, mit makellosem Schwung und völlig unprätentiös spielte Neidenberger die Gigue, deren Farbigkeit und herbe Wildheit das Publikum bannten.

Tänzerische Folkloristik kennzeichnete im „Histoire du Tango“ das Arrangement für Violine und Gitarre von Astor Piazzolla. Mal spritzig und flott mit geklopften Gitarrenrhythmen im Stück „Bordel“, mal träumerisch sanft und durchsichtig mit zartem Vibrato der Geige im „Café“, bildeten Neidenberger und Treepornwasu ein virtuoses Duo. Stürmisch und rasant war das abschließende Stück „Nightclub“. Die Zigeunerweisen von Pablo de Sarasate für Geige und Klavier mit ihrer farbigen Melodramatik verfehlten beim Publikum nicht ihre Wirkung. Feine Pizzicati der Violine und kraftvolle Akkorde des Klaviers verschmolzen zu eindringlichen Klangbildern.

Nach der Pause begeisterten Bernadette Pihusch und Yume Hanusch das Publikum mit der Violinsonate Nr. 4 in a-Moll op. 23 von Beethoven. Mit stürmischer Leidenschaft ertönte das Presto, dessen Hast und Unruhe beide Musikerinnen spielerisch brillant zu Gehör brachten. Originell erklang im Andante scherzoso, piu Allegretto das 2-Noten-Motiv, rhythmisch kapriziös mit Staccato-Sechzehnteln, ein weiteres Thema, das Pihusch und Hanusch spielfreudig interpretierten. Atemlos und gehetzt, mit kräftigen Akkordschlägen und langen Melodiebögen, wirkte schließlich das Allegro molto, das wie der zweite Satz zwischen Licht und Dunkelheit leise ausklang.

Zur Cadenza für Violinsolo von Krzysztof Penderecki gab Bernadette Pihusch eine kurze Einführung. Pihusch spielte das aufwühlende Stück technisch perfekt und mit viel Einfühlung. Aus einem stillen Monolog entwickelten sich leidvolle Passagen, die schließlich in einem Wahn ausbrechen, um dann langsam im Nichts zu verschwinden. Nach dem träumerisch-fließenden, ein wenig an Salonmusik erinnernden Grand Adagio von Alexander Glasunov, das Pihusch und Hanusch mit schwelgerischer Hingabe aufführten, beendete das düster-dramatische Allegro aus der Violinsonate von César Franck ein umjubeltes Konzert. Als Zugabe erklang noch das Lied „Feldeinsamkeit“ von Johannes Brahms, dessen inniger Text von Pihusch vorgetragen gut zum Blick aus den Fenstern auf die frühlingsgrüne Landschaft passte. Georg Füchtner

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