Wasserburg – Bei ihrem Frühlingskonzert begeisterte die Stadtkapelle mit einem exzellenten musikalischen Angebot voller Klangfarben und von großer stilistischer Vielfalt. Das Programm „Colors“ bot abwechslungsreiche, sinfonische Blasmusik zwischen modernen Arrangements und emotionalen Klangbildern.
Zweimal im Jahr lädt die Wasserburger Stadtkapelle zu ihren Konzerten in die Badria-Halle ein. Passend zur Jahreszeit stand das Programm ganz im Zeichen des Frühlings. Traditionell stimmte zuerst der musikalische Nachwuchs unter der Leitung von Georg Auer auf den Abend ein, der dann fast nahtlos den Taktstock an Michael Morgott und das Jugendorchester übergab.
Zeitgenössisches Stück
für Blasorchester
Die Seiser Alm zählt zu den größten Hochplateaus der Alpen. Der Bozener Armin Kofler hat der Dolomitenhochebene mit „Auf der Alm“ ein zeitgenössisches Konzertstück für Blasorchester gewidmet. Die Themenmelodie fußt auf dem gleichnamigen Volkslied. Stimmungsvoll zeigte das Jugendorchester, welche Emotionen so eine ausgiebige Almwanderung hervorrufen kann. Aus dem Hier und Jetzt ging es dann in die Welt der Märchen und das Reich der Feen. Mit „A Fairy Tale“, einer Komposition des Spaniers Ferrer Ferran, wurde der geheimnisvolle Zauber jener Fabelwesel für kurze Zeit hör- und spürbar. Mit einem Medley aus dem Musical „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ von Andrew Lloyd Webber, das die biblische Geschichte von Joseph und seinen Brüdern erzählt, verabschiedete sich schließlich das Jugendorchester.
Wie Farben durch Kompositionen auf besondere Weise hörbar werden können, zeigte das Erwachsenenorchester der Stadtkapelle im weiteren Konzertverlauf. „Blue and Green Music“, ein abstraktes Ölgemälde der Malerin Georgia O’Keeffe aus dem Jahr 1921, inspirierte Samuel R. Hazo zu seiner gleichnamigen Komposition. Gezielt eingesetzte Klangfarben, Harmonien und Dynamik sorgen für die Vertonung des Kunstwerks. Dunkle Klangräume und dichte Harmonien wiederum vermittelten eher tiefe und gedämpfte Farbstimmungen. So unterstreicht „Lux Aeterna“ von Clint Mansell die dunkle und unheilvolle Stimmung in „Requiem for a Dream“, ein Film aus dem Jahr 2000. Das Drama erzählt in düsteren Farben und mit teils visuell verstörenden Bildern den Niedergang von vier Drogenabhängigen.
„Colors“ von Bert Appermont heißt ein virtuoses Werk für Posaune und Blasorchester, das vier Farben musikalisch darstellt: Gelb, Rot, Blau und Grün. Jede dieser Farben steht für eine eigene Stimmung – von inspirierend und leidenschaftlich bis hin zu melancholisch und hoffnungsvoll. Für den Solopart konnte Dirigentin Barbara Bschorr Sven Strunkeit, den Soloposaunisten des Bayerischen Staatsorchesters, gewinnen. Wechselnde Klangfarben, Dynamik und emotionale Kontraste entfachten ein musikalisches Farbenspiel, das durch die Harmonie zwischen Soloposaune und Orchester zum akustischen Hochgenuss wurde.
500 verschiedene
Versionen
Mit der Ouvertüre zur Operette „Maske in Blau“ endete dann die musikalische Reise durch die Welt der Farben und ihrer Wirkung auf uns. Die Melodien von Fred Reymond brachten das Publikum zum Schwärmen über ein kunterbuntes und überaus unterhaltsames Frühlingskonzert. Und mit der Zugabe der Songmelodie von „Dream a Little Dream of Me“, ein Klassiker von Ozzie Nelson aus dem Jahr 1931, den es in über 500 verschiedenen Versionen gibt, wurde die Stimmung noch einmal getoppt.