Prien – „Blume“ heißt das Quintett, das bei „Jazz am Roseneck“ einen Strauß voller eigener Kompositionen zum Blühen brachte. „Blume“, das sind Magnus Schriefl (Trompete, Flügelhorn und Komposition), Ben Kraef (Tenorsaxofon), Sebastian Böhlen (Gitarre), Matthias Pichler (Bass) und Sebastian Merk (Schlagzeug). Der Bandname ließ viel Raum für Assoziationen, entsprechend groß war die Neugier und der Andrang im Salon. Offenheit, lebendige Wandlungsfähigkeit und der klare Bezug zu Jazz und afro-amerikanischer Musiker wie Thelonious Monk oder Duke Ellington zogen sich wie ein roter Faden durch all die Eigenkompositionen. Bei „Johnny Whistleblower“ meinte man mehr als einmal, ein Martinshorn zu vernehmen, beim „Hiassl im Himmel“ präsentierte sich quasi als cantus firmus das Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ und bei „Coffee and red wine“ sorgte die bluesige Untermalung für entspannende Momente. Das selbst für den Komponisten Schriefl beinahe unaussprechliche „Mandihiza Rahitsikitsika“ war ein globales Potpourri. Auf Malagassisch, eine der Amtssprachen in Madagaskar, bedeutet es „Tanz, kleiner Falke.“ Dieses Volkslied verband das Quintett mit Anklängen aus dem Allerseelen-Jodler (teilweise auch in gesungener Form) und dem „America“ aus der Westside Story von George Gershwin. Eindrücklich geriet der Standard „I remember you“, flott-beschwingt und in gespiegelter Form als „You forget my I remember“. Das „Meret’s magic moves“ begann mit Trompeten-Solo, dem sich später das Saxofon mit gegenläufigen Kadenzen anschmiegte, ehe all die anderen Musiker sich dazugesellten. Tanzbarer Jazz trotz ständig wechselnder Rhythmen – das Publikum groovte mit. Und schwelgte beim sanften „One for Jobim“ mit Bossa-Nova-Rhythmen.
Das Quintett bot Jazz mit globalen musikalischen Einflüssen, Jazz, bei dem sich kreative Reibung mit melodischer Klarheit, rhythmischer Energie und einem feinen Sinn für Humor paarte. Da klang die Gitarre wie eine Zither, der Schlagzeuger kreierte mit Glockengeläut himmlische Sphären, Saxofon und Trompete oder Flügelhorn spielten um- und miteinander, und die Rhythmus-Abteilung sorgte für vielschichtigen Unterbau.
Die Fünf beherrschen ihr musikalisches Handwerk perfekt. Alle treten in verschiedenen Formationen international auf. Die neueste Zusammenarbeit gipfelt in der CD „Blumen Bettina Berlin“, warb Schriefl. Auch schön. Aber die Band live zu erleben, sie miteinander agieren zu sehen, sie improvisieren zu hören, und das im zum Wohnzimmer umgebauten Stadel bei „Jazz am Roseneck“, das war noch einmal eine ganz andere Nummer. Elisabeth Kirchner