Traunstein – Ihre Bilder sind wie Delikatessen, für deren Genuss man etwas Zeit mitbringen muss. Man glaubt in Meerestiefen und Korallenriffe, Sternennebel, Wüsten- oder Traumlandschaften zu blicken. Das liegt nicht nur an diesen unglaublichen Farbräumen voller Tiefe, Intensität, Leuchtkraft und Poesie, die Juschi Bannaski erschafft. Geschickt verbindet sie diese mit feinziselierten, oftmals winzigen Zeichnungen voller Witz und Fantasie und mit Figuren, die Träumen, Kindergedanken oder dem indonesischen Schattentheater entsprungen zu sein scheinen. Oder auch einer fotografisch genauen Beobachtungsgabe in der Natur.
Dem besonderen Zauber der Hinterglasmalerei von Juschi Bannaski aus Berg am Starnberger See konnten sich auch die Zuhörer bei der jüngsten Kunstsprechstunde nicht entziehen. Initiator Helmut Mühlbacher nutzte dabei die neu bezogenen MuK-Studios am Bahnhof in Traunstein, um über Kunst zu sprechen und mit der Künstlerin ins Gespräch zu kommen.
Wie Bannaski erklärte, gab ein eher banaler Anlass für die studierte Malerin vor etlichen Jahren den Ausschlag, sich intensiver und letztlich fast ausschließlich mit der Hinterglasmalerei zu beschäftigen. Für ein Klinikum sollte sie im Rahmen einer Kunst-am-Bau-Initiative Arbeiten erschaffen, „deren Oberflächen gut desinfizierbar sein mussten“. Deshalb arbeitete sie erstmals auf Folien. Inzwischen hat sie ihre Technik beharrlich zur Meisterschaft weiterentwickelt und arbeitet auch großformatig auf bruchfestem Sicherheitsglas. Schichtweise entwickelt sie ihre Motive. Die unter anderem mit Fineliner skizzierten Zeichnungen setzen die ersten erzählerischen Akzente. Dann entsteht mit Hilfe von Tusche, Aquarell- und Ölfarben in dichten Schichten der eigentliche Bildraum, der dem Bild Tiefe gibt. Inspirieren lässt sich Bannaski, wie sie erzählt, auf zahlreichen Asienreisen mit ihrem Mann. „Man kommt dort in eine komplett andere Welt.“ Nicht umsonst erinnern deshalb vielleicht viele ihrer Werke an japanische Landschaftsmalerei voll konzentrierter Einfachheit. Bannaski weiß dabei den fokussiert gesetzten Detailreichtum der Grafiken mit Farbräumen zu durchwirken, die wie lebendige Organismen zu pulsieren scheinen.
Mit ihrem Sinn für Clownerie kommt auch der Humor nicht zu kurz. Da segelt etwa der zwölffüßige „Flugselbstzweifler“ durchs Bild. Oder der „Heilige Bimbam“ verleiht einem Bild den Titel, in dem eine seltsame Narrenfigur, die von einem Vogel in die Nase gebissen wird, die Szenerie einer großen Menschenmenge beobachtet. Laut Bannaski ist sie von einer hölzernen Stützfigur in der berühmten Bibliothek im Kloster Waldsassen zu diesem „heuchlerischen Narr“ inspiriert worden. Auch der Bamberger Reiter gibt in dem Bild ein verwegenes Gastspiel.
Ganz in mystische Blautöne getaucht und von kunstvollen Farbwirbeln durchzogen, lässt die Malerin in „16 Sema“ tanzende Derwische auftreten, mal schemenhaft verschwommen, mal klar und in leuchtenden Farben. „Wo lang?“, fragt die Künstlerin in einem anderen Hinterglasbild, bei dem eine Frau links aus dem Bild zu schreiten scheint. In reizvollem Kontrast dazu eilt ein hüpfendes Mädchen in vervielfältigter Rückenansicht beschwingt der unteren Bildmitte entgegen und wird dabei immer kleiner.
Im Gespräch mit dem Publikum erzählt Bannaski von ihren Inspirationsquellen, dem Hinterglasmalen in Spiegeltechnik, mühsamen Korrekturen mit Schaber und Spiritus, ihrer Arbeit mit Selbsthilfeorganisationen oder auch ihrer Geschichtsforschung. Wie sie erzählt, hat sie in Kooperation mit dem Gemeindearchivar Orte in ihrer Heimatgemeinde Berg ausfindig gemacht, in denen die Nazivergangenheit greifbar wird. „Wenn die Leute erfahren, was hinter den idyllischen, scheinbar harmlosen Grafiken steckt, wird ihnen oft ganz anders.“ Axel Effner