Traunstein – Wenn sich draußen die Eisheiligen während des 23. Musikfrühlings austobten, heizten die vier grandiosen Musiker des weltberühmten Alexis-Cardenas-Quartetts den Besuchern im ausverkauften großen Saal des Kulturforums Klosterkirche tüchtig ein. „Fantasia Latina“ überschrieben, boten die vier ursprünglich aus Venezuela stammenden Musiker ein von Anfang bis Ende begeisterndes Programm, das die vielen Zuhörer von den Sitzen riss und lauthalse Jubelrufe erklingen ließ.
Es spielten der Leiter und Gründer des Quartetts Alexis Cardenas auf der Violine, Johnny Kotok am Klavier, Miguel Siso auf dem Cuatro, einer Kastenhalslaute mit vier Saiten, die einer kleinen Gitarre ähnelt, sowie Manuel Sanchez am Kontrabass. Die Vier interpretierten virtuos und technisch brillant Werke großer südamerikanischer Komponisten wie Astor Piazolla, Aldemaro Romero, Egberto Gismonti oder Hamilton de Holanda. Bei den häufig auch improvisierten Interpretationen wurden aber auch Brücken zu europäischen Komponisten wie Johann Sebastian Bach geschlagen und zu den tiefen Wurzeln der lateinamerikanischen Barockmusik. Alexis Cardenas gab dazwischen englische Erläuterungen zu den jeweiligen Stücken.
Alexis Cardenas, Jahrgang 1976, ist einer der bedeutendsten Geiger seiner Generation. Schon mit sieben Jahren begann er, Violine zu spielen, studierte unter anderem in New York und Paris und leitete von 2010 bis Ende 2023 das Orchestre National d’Ile-de-France. Weltweite Auftritte bestimmen seine Karriere. Dank der begeisterten Reaktionen des Publikums in Traunstein schienen auch die Musiker immer freier, temperamentvoller zu werden und noch mehr Freude am Spiel zu haben, sodass schließlich alle zusammen auch sangen. Einen weiteren Auftritt beim 24. Musikfrühling im nächsten Jahr versprach Razvan Popvici. Christiane Giesen