Bad Endorf – „Allegro con brio“ nennt sich der Bad Endorfer Musikförderverein. Und mit dieser musikalischen Vortragsbezeichnung darf man auch das Konzert in der Pfarrkirche St. Jakobus im Rahmen des Musiksommers zwischen Inn und Salzach überschreiben. Das junge Orchester Graubünden (20 junge Streicherinnen und genau ein Streicher) unter der Leitung von Matthias Kleiböhmer harmonierte perfekt mit den beiden Solistinnen des Abends, Violonistin Clara Neidenberger – die Bad Endorferin ist Kulturförderpreisträgerin 2025 des Landkreises Rosenheim und studiert an der Universität Mozarteum Salzburg – und Organistin Judith Trifellner, vormals Kirchenmusikerin im Pfarrverband Bad Endorf und jetzt Domorganistin im Dom zu Salzburg. Von Johann Sebastian Bach erklang der allegro-Satz aus dem Concerto d-Moll BWV 1052 für Streicher und Orgel. Silbrig glänzende Orgelklänge der Truhenorgel mischten sich ausgezeichnet mit dem schwungvollen Streicherklang. Dann ging die Reise weiter nach Südamerika: Dirigent Kleiböhmer nahm das Publikum an die Hand und führte in die Tänze des chilenischen Komponisten Pedro Villagra (Jahrgang 1957) ein. Da mischten sich europäische Walzerklänge mit südamerikanischen jazzigen Rhythmen, da mischten sich alle Gefühlslagen von verliebt bis traurig – was für eine wunderschöne klangliche Romanze über die Kontinente hinweg.
Beim „Verano porteño“ (Sommer) von Astor Piazzolla brillierten fünf Streicher zusammen mit Clara Neidenberger. Piazzolla bedient sich „ungeniert“ bei Antonio Vivaldi, zitiert aus dessen „Vier Jahreszeiten“ und verbindet traditionellen Tango mit Elementen der europäischen Klassik und des Jazz. Und die Musizierenden hatten – ebenso wie Dirigent Kleiböhmer – genau an diesen frappierenden Momenten sichtlich Spaß, zeigten jugendliche Frische, saubere Präzision und ästhetisches Gespür.
Beeindruckend, wie technisch makellos Clara Neidenberger spielte und wie kultiviert sie ihre solisitischen Stellen auslegte. Bei den Tango „Sensations“ übernahm die kleine Orgel den Bandoneon-Part, und das große Orchester gab den begleitenden Partner. Begleitung mag nach wenig klingen, aber die schillernden Klangflächen und konzentrierten Linien, die das Orchester spielte, verschmolzen mit den Orgel-Klängen, die Judith Trifellner ihrem Instrument mit großer Empfindsamkeit entlockte. Viel Gefühl, viel Dunkles, viel Eleganz – das war Piazzolla aufs Beste.
Der Zauber Piazzollas, der musste noch weiterwirken. Da durfte sein „Libertango“ nicht fehlen – energisch, gekonnt, packend. Wunderschön, wie sich ganz langsam und stetig der Grundrhythmus in der Basso Continuo-Gruppe aufbaute, um dann vom plötzlich einsetzenden Thema mit Orgel und Violine nahezu exaltiert übersteigert zu werden. „Allegro con brio“ – so ein Titel verpflichtet. Aber genau diesen Schwung legte das Junge Orchester mit seinen beiden Solistinnen an den Tag. Famos.
Elisabeth Kirchner