Rosenheim – Es war seine letzte große Theaterrolle: Am Münchner Residenztheater spielte Günther Maria Halmer in den „Gschichten vom Brandner Kaspar“ in der gefeierten Inszenierung von Franz Xaver Kroetz die Titelrolle. Wenige Monate nach der Premiere war Schluss. Halmer musste Vorstellungen absagen, krankheitsbedingt pausieren. Jetzt ist der bekannte Schauspieler im Alter von 83 Jahren gestorben.
Trauerfeier im engsten
Familienkreis
Die Trauerfeier fand in Halmers Wohnort Höhenmoos bei Rohrdorf statt, im engsten Familien- und Freundeskreis, abgeschottet von der Öffentlichkeit. So hatten es sich der Schauspieler und seine Familie gewünscht. Einer, der immer mal wieder mit dem Schauspieler zu tun hatte, war Simon Hausstetter, Bürgermeister der Gemeinde Rohrdorf. Die beiden Männer lernten sich kurz vor der Kommunalwahl im Jahr 2020 kennen.
Kennenlernen
im Wahlkampf
„Ich habe damals einen sehr umfangreichen Haustürwahlkampf gemacht“, erinnert sich Hausstetter. Im Zuge dessen klingelte er auch an der Haustür der Familie Halmer. Eine Stunde habe er anschließend mit Günther Maria Halmer im Wohnzimmer zusammengesessen. Geredet wurde über Politik, aber auch über Halmers Biografie. Von der Pilotenausbildung, der Hotellehre, die er hinschmiss, über seine Zeit bei der Bundeswehr bis hin zu der Arbeit in einem Asbestwerk in Kanada.
Doch immer sei da aber eben der Wunsch gewesen, Schauspieler zu werden. Das habe Halmer ihm erzählt. Ein Beruf, von dem sein Vater so überhaupt nicht begeistert gewesen sein soll. Halmer machte es trotzdem. Eben weil er so einer war, der seinen eigenen Weg ging. „Er ist ein Vorbild. Er hat seine Leidenschaft und seine Passion zum Beruf gemacht. Komme, was wolle“, sagt Hausstetter.
Seinen großen Durchbruch feierte Halmer 1974 in Helmut Dietls Kultserie „Münchner Geschichten“. Als Karl „Tscharlie“ Häusler spielte er sich in die Herzen des Publikums. Von 1988 bis 2001 prägte er als Strafverteidiger Jean Abel die ZDF-Reihe „Anwalt Abel“. Auch international stand er vor der Kamera, unter anderem in Richard Attenboroughs Oscar-Film „Gandhi“ und in „Sophies Entscheidung“, an der Seite von Meryl Streep. Zuletzt war er in „Trapps Sommer“ zu sehen.
Vor einem Jahr hatte er noch einen großen Auftritt in Rosenheim. Der Historische Verein Rosenheim hatte zusammen mit der Stadtkapelle, der Innphilharmonie, dem Chorkreis Quirinus sowie dem Kirchenchor und dem Choriamo-Chor am Wasen zu einem Gedenkkonzert zum 80. Jahrestag des Kriegsendes in Rosenheim eingeladen. Eingeladen – als Zeitzeuge – wurde auch Günther Maria Halmer. „Er hat sofort zugesagt und war begeistert“, erinnert sich Simon Hausstetter.
Beeindruckende Rede
beim Gedenkkonzert
Halmer habe eine beeindruckende Rede gehalten, sagte Hausstetter. In dieser Ansprache berichtete er vor allem von den ersten Jahren nach dem Krieg. Er machte klar, dass die Befreiung durch die Amerikaner diesen Namen wirklich verdient habe: Es sei für viele das Tor zu einer neuen Welt aufgestoßen worden, die das Zeug dazu gehabt habe, zu einer besseren zu werden. Und alles in allem sei es in den folgenden Jahrzehnten doch in der Tat stetig bergauf gegangen, sodass er jetzt auf 80 in Frieden verlebte Jahre zurückblicken könne. Dass diese Friedenszeit sowie all die demokratischen Errungenschaften, die mit ihr einhergingen, jetzt wieder dabei seien, in Gefahr zu geraten, habe Halmer fassungslos gemacht.
Es war eine Rede, die auch Karl-Heinz Brauner, Vorsitzender des Historischen Vereins, und Michael Gartner, Leiter des Chorkreises St. Quirinus, in Erinnerung geblieben ist. „Er war sehr empathisch“, sagt Brauner. Zu Beginn habe es eine „kleine Watsche für Rosenheim“ gegeben. Aber auch das war Günther Maria Halmer. Immer geradlinig. Immer direkt. Immer mit der ein oder anderen Spitze.
„Seine Rede hat alle Leute beeindruckt“, ergänzt Michael Gartner. Er selbst sei auch im Residenztheater in München gewesen, um sich Halmers Auftritt als Brandner Kaspar anzusehen. „Es war sehr professionell“, sagt Gartner. Ganz am Ende habe er sich mit einigen persönlichen Worten an das Publikum gewandt. „Da ist ihm ein paar Mal die Stimme versagt. Es war sehr emotional. Bereits zu der Zeit muss es dem Halmer gesundheitlich schlecht gegangen sein.“ Davon berichtet auch eine enge Kollegin. „Er ist ein Schauspieler der alten Schule, alles für das Spiel“, sagt sie am Telefon. Selbst als ihm nicht so gut ging, sei er jeden Tag ins Theater gekommen und habe „mit dem letzten Einsatz noch seine Rolle gespielt“.
Seinen wohl letzten großen Auftritt in der Region hatte er im Juli 2025. Bei einem Festakt im Kloster Seeon wurde er mit dem Oberbayerischen Kulturpreis ausgezeichnet. Halmer wurde als Schauspieler geehrt, der „das breite Spektrum schauspielerischen Ausdrucks zwischen kraftvoller Präsenz und feinen Zwischentönen verkörpere“.
In über 180 Produktionen
mitgewirkt
Bei der Ehrung war auch Bürgermeister Simon Hausstetter. „Er hat mich als seinen persönlichen Gast eingeladen“, sagt Hausstetter am Telefon. Gemeinsam mit Halmers Schulfreunden habe er an einem Tisch gesessen und „nette Gespräche“ geführt. Während des Festakts in Seeon wurde daran erinnert, dass sich Halmer in über 180 Produktionen immer wieder neu erfunden habe. Er sei stets ein Zeitbeobachter mit feinem Gespür für gesellschaftliche Umbrüche gewesen. Auch sein ehrenamtliches Engagement, etwa für das Ambulante Kinderhospiz München oder die SOS-Kinderdörfer weltweit, wurde hervorgehoben.
„Mit seiner Menschlichkeit, seiner feinen Art und seiner stillen Großzügigkeit hat er viele Menschen tief berührt“, heißt es vom Ambulanten Kinderhospiz München. Sein Mitgefühl für schwerst kranke Kinder und ihre Familien sei aufrichtig gewesen und von Herzen gekommen. „Wir verlieren nicht nur einen bedeutenden Schauspieler, sondern vor allem einen warmherzigen Menschen, treuen Wegbegleiter und geschätzten Unterstützer“, heißt es weiter.
Rosenheim verliert
Sohn der Stadt
Anteilnahme äußerte auch Oberbürgermeister Abuzar Erdogan. „Mit dem Tod von Günther Maria Halmer verliert Deutschland einen großen Schauspieler – und Rosenheim einen Sohn unserer Stadt“, sagt er. Halmer habe mit seiner besonderen Präsenz, seiner Haltung und seiner Vielseitigkeit das deutsche Fernsehen und Theater geprägt. „Viele Menschen verbanden mit ihm nicht nur große Rollen, sondern auch Wärme, Menschlichkeit und Charakter“, so Erdogan. Dass Halmers Weg einst in Rosenheim begann, erfülle die Stadt mit Dankbarkeit, aber auch mit stillem Stolz.
Günther Maria Halmer hinterlässt seine Frau Claudia und die zwei Söhne Daniel und Dominik.