Feuerwerk zwischen Tanz und Tropfen

von Redaktion

Französische Klangpoesie begeistert beim Chiemgauer Musikfrühling im Kloster Seeon

Seeon – Beim 23. Chiemgauer Musikfrühling im Kloster Seeon stand das vorletzte Konzert ganz im Zeichen französischer Klangkunst. Unter dem poetischen Motto „Tanz – Tropfen“ erlebte das Publikum im gut besuchten Festsaal einen Abend voller impressionistischer Klangbilder, virtuoser Raffinesse und romantischer Ausdruckskraft.

Werke von Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921), Francis Poulenc (1899 bis 1963) und Gabriel Fauré (1845 bis 1924) bildeten das anspruchsvolle Programm. Die international renommierten Musikerinnen und Musiker Alexandra Conunova (Violine), Razvan Popovici (Viola), Justus Grimm (Violoncello), Diana Ketler (Klavier) sowie Silke Avenhaus (Klavier) begeisterten mit technischer Brillanz, feinem Gespür für die farbenreiche französische Tonsprache und entzündeten ein Feuerwerk der Virtuosität.

Den Auftakt machte Saint-Saëns‘ einsätzige „Barcarolle“ für Klavierquartett op. 108. Bereits hier wurde das Konzertmotto musikalisch greifbar: Über den sanft schwingenden Akkordbewegungen des Klaviers (elegante Klanggestaltung: Diana Ketler) entfalteten Cello und Viola wellenartige Klangbilder, die sich zunehmend verdichteten. Die Musik steigerte sich bis zu stürmischer Dramatik, als würden Wind und Wasser im Fortissimo aufeinandertreffen. Der tänzerische 12/8-Rhythmus verlieh dem Werk zugleich Leichtigkeit und Bewegung und machte die Verbindung von „Tanz“ und „Tropfen“ eindrucksvoll hörbar. Auch Poulencs Sonate für Violoncello und Klavier FP 143 erzählte in Klangbildern. Nach einer lebhaften Allegro-Einleitung führte der erste Satz in einen markanten Marschcharakter („Tempo di Marcia“), der mit augenzwinkernder Leichtigkeit endete. Die folgende „Cavatine“ offenbarte dagegen lyrische Tiefe und emotionale Spannung, die durch den Einsatz des Dämpfers im Violoncello zusätzlich intensiviert wurde.

Besonders tänzerisch präsentierte sich der dritte Satz „Ballabile“, dessen wechselnd gestrichene und gezupfte Passagen federnde Beweglichkeit entfalteten. Passend dazu verriet Razvan Popovici in seiner Moderation schmunzelnd, dass die Musiker während der Generalprobe tatsächlich zu dieser Musik getanzt hätten. Das prachtvoll harmonisierte Finale beeindruckte schließlich mit hochvirtuosen Passagen, filigranen Flageolettklängen im Violoncello und abwechslungsreicher Themenverarbeitung.

Im zweiten Teil des Abends stand Faurés Klavierquartett Nr. 2 g-Moll op. 45 im Mittelpunkt. Pianistin Silke Avenhaus prägte das Werk mit Temperament und großer Virtuosität. Immer wieder wanderten die musikalischen Motive zwischen Violine, tiefen Streichern und Klavier hin und her. Nach dem lebhaften „Scherzo“ entfaltete das „Adagio non troppo“ eine pastorale Ruhe voller Sehnsucht und romantischer Intensität. Besonders die gedämpfte Cellomelodie verlieh diesem Satz große Ausdruckskraft.

Das abschließende „Allegro molto“ erinnerte stellenweise an einen schwungvollen Walzer und führte das Werk in einer grandiosen Steigerung zu einem kraftvollen Fortissimo.

Themen der vorausgegangenen Sätze wurden noch einmal aufgegriffen und zu einem fulminanten Finale verbunden. Das Publikum dankte den Künstlerinnen und Künstlern mit begeistertem, lang anhaltendem Applaus für einen Konzertabend der Extraklasse, bei dem ein musikalischer Höhepunkt auf den nächsten folgte. Brigitte Janoschka

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