Blutwasserbombenschlacht auf Kuhweide

von Redaktion

15 Grundschüler aus Prien bei Filmdreh zur Oper „Lucia di Lammermoor“ beim Immling Festival

Halfing/Immling – Die Stimmbänder vibrieren, der Taktstock schwebt, letzte Kostümentwürfe werden fertiggestellt und aus der Theaterwerkstatt hämmert es von Sonnenauf- bis -untergang: Ab dem 13. Juni weht zum 30. Mal internationale Opernluft durch das beschauliche Örtchen Immling bei Halfing.

Mittendrin tummelten sich 15 Buben aus den dritten und vierten Klassenstufen der Priener Franziska-Hager-Mittelschule. Dieses nicht gerade alltägliche Abenteuer, nämlich Teil einer großen Opernproduktion zu werden, entwickelte sich aus einer klugen Regie-Idee. Während der Ouvertüre der Donizetti-Oper „Lucia di Lammermoor“ wird im Bühnenbild eine kleine Filmsequenz zu sehen sein. Zwei Studierende der Hochschule für Film und Fernsehen München waren angereist, um den kreativen Plan filmisch umzusetzen.

Längst schon sind beim Immling-Festival die Proben zu vier Opern und einem Musical der Akademie Immling im vollen Gange. Was noch ausstand – und hier musste der Wettergott mitspielen, war dieser Filmdreh, für den sich das Kreativteam um Regisseurin Ella Marchment einen Nachmittag Zeit nahm.

Nach dem Eintreffen der Schüler und Schulleiterin Claudia Decker gab es eine ausgiebige Einweisung. Die Kinder, nun Darsteller, bekamen klare Ansagen, was man alles darf: sich gegenseitig Wasserbomben mit roter Farbe auf die Körper werfen – aber eben im richtigen Moment. Und, was man nicht darf: Auf keinen Fall in die Kamera schauen oder die kostbare Technik bespritzen. Dann ging es in die Maske: Kostümbildner Sascha Thomsen und das Kamerateam (Ali Kneer und Paul Strand) kamen, nicht nur im Verlauf der Dreharbeiten, ganz schön ins Schwitzen. Denn so eine wilde Horde entwickelt im Tun schnell mal eine deutlich vom Plan abweichende Eigendynamik, die das gesteckte Ziel zunichtemachen könnte. Da war Geduld und Fingerspitzengefühl gefragt.

Nachdem die Buben aus der Maske kamen, sahen sie plötzlich alle gleich aus: Auf den Köpfen weißgraue Perücken, T-Shirts, Shorts, Schuhe – alles in der Farbe der Reinheit und Unschuld: Weiß.

So ging es zum Drehort, einer prächtigen Blumenwiese hinter dem Festspielhaus. Dort stand, mehr als gruselig, eine mit roter Farbe gefüllte Badewanne, die so gar nicht ins Landidyll passen wollte – ganz im Gegenteil. Langsam schwante einem, was die Regie-Intention sein könnte: Unschuldige Jungen, blutrote Farbe, aus „Spiel wird ernst“, Unbeflecktes wird befleckt – oder befleckt sich selbst und wird dabei im Tun wie toll. Genaueres soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Still und stumm wie Kerzen, so kam die Anweisung, sollten die Buben eingangs um die Wanne stehen. Nicht lachen, was schwierig war. Dann, wie zur Einleitung eines Kampfes, laut schreien. Das wurde, Sequenz für Sequenz, abgedreht. Der spannende Moment kam zum Schluss: Beim Verteilen der roten „Geschosse“ waren die Buben kaum zu halten, so groß war die Vorfreude auf die blutrote Wasserbombenschlacht. Als sie endlich loslegen durften, war innerhalb von Sekunden (fast) alles, was zuvor weiß war, rot befleckt – auch die Gesichter. Die im Sicherheitsabstand stehenden Erwachsenen bogen sich vor Lachen, die Buben brüllten vor Vergnügen. Das Kamerateam nutzte seine ultimative Chance, das Spektakel filmisch festzuhalten.

Von der Nachbarweide aus beobachteten einige Galloway-Rinder des Gnadenhofs Gut Immling neugierig das seltsame Treiben der Menschen. Was mag all das mit Oper zu tun haben? Blut, Unschuld, Manipulation, Machtausübung, die ewige Spirale von Gewalt und Unterdrückung Schwächerer, all das sind Themen vieler Opernplots. Inwiefern sich die Hauptfigur aus Donizettis „Lucia die Lammermoor“, zumindest in diesem Opernregiefall, über ihr Schicksal erhebt, lohnt sich selbst in einer der Vorstellungen herauszufinden. Für die Grundschüler, so viel ist sicher, war es ein unvergessliches (Film)Abenteuer. Infos über Spielplan und Tickets unter www.immling.de. bek

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