Lilian Akopova entfesselt grenzenlose Klangwelten

von Redaktion

Meisterhaftes Klavierrecital in der Villa Sawallisch

Grassau – Das raffiniert zusammengestellte Programm versprach mit dem Titel „Grenzenlose Klangwelten: Zwischen Rhein und Dnepr“ eine Reise quer durch Epochen und Länder. Und Pianistin Lilian Akopova erwies sich beim Klavierrecital in der Villa Sawallisch als wunderbare Reiseleiterin. Elektrisierende Präsenz paarte sich mit sorgsam eingesetzter Klangopulenz und glasklarer Artikulation.

Selbst schnellste Passagen verschwammen nicht in der Masse der Klänge. Mit ihrem Anschlag und ihrem Pedalspiel war Akopova zu allen Abstufungen in Lautstärke und Klang fähig, verzichtete nicht auf ganz leise Töne und scheute sich auch nicht vor scharfen Kontrasten.

Zuerst spielte Lilian Akopova eine Transkription von Johann Sebastian Bachs „Siziliana“. Schlicht, ergreifend, und doch auch eine famose Einleitung für die „Variations sérieuses“, op. 54, von Felix Mendelssohn Bartholdy. Schnelle Passagen meisterte sie mit großer Leichtigkeit und Beweglichkeit, und ihre Akzente folgten mit unterschiedlichen Kraftnuancen.

César Francks „Prelude, Fugue et Variation“ op. 18 interpretierte Akopova mit ergreifender tiefer Emotionalität. Ausladende Arpeggien erklangen wie Kirchenglocken, architektonische Strenge verband sich nahtlos mit hochsensiblen, klanggesättigten Melodiebögen, um schließlich als orgelhaft breites Thema in einer dichten kontrapunktischen Fantasie zu gipfeln.

Aus der Feder des ukrainischen Komponisten Lewko Rewuzkyis stammt die Sonate op. 1. Akopova führte hier spätromantische Virtuosität mit lyrischer, zarter Melodik und entfesselten, dramatischen Höhepunkten vor, die stellenweise an Chopins Etüden erinnern. Sie vereinte in ihrem Spiel schier unglaubliche Plastizität und geballte Leidenschaft. Nahezu berauschend wirkte die „Kreisleriana“ op. 16 von Robert Schumann. Begeisterte der erste Satz mit rasender Triolenbewegung der rechten Hand, während die linke Hand im Rhythmus nachschlug, so wurde es später tänzerisch, dann charmant ausgelassen und choralartig, um im eingelassenen Fugato rasend „schnell und spielend“ zu enden. Was für eine brillante und frische Interpretation, stupende Tastenvirtuosität und kristallklare Transparenz.

Als Schlusspunkt stand Maurice Ravels „La Valse“ auf dem Programm. Statt Orchester oder die Zwei-Klaviere-Version hier nur für einen Flügel. Genial, wie Akopova die unzähligen kniffligen Sprünge und komplizierten Stimmführungen meisterte.

War das pianistische Akrobatik? Ja, und doch verlor Akopova trotz der Aufteilung der Kontrapunkte auf nur zwei Hände nie den Fluss des Walzers.

So viel Tastenzauber und doch war es nicht genug. „Wollen Sie zufällig noch etwas hören?“ fragte Lilian Akopova. Und so verabschiedete sich Akopova von ihrem Publikum mit einer rasant-wilden Interpretation eines „Feuervogels“ und „zur Beruhigung“ mit einer armenischen Elegie. Das alles mit einem steten Lächeln auf den Lippen und einer spürbaren Erdung. Fürwahr, das waren grenzenlose Klangwelten. Elisabeth Kirchner

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