„Licht und Schatten“ mit Musik der Romantik

von Redaktion

Berührendes Abschlusskonzert des „Chiemgauer Musikfrühlings“ in Kloster Seeon

Seeon – Bei strahlendem Sonnenschein im ausverkauften Festsaal von Kloster Seeon endete der 23. „Chiemgauer Musikfrühling“. „Licht und Schatten“ war das Kammerkonzert überschrieben mit zum Teil teils selten gespielten, wunderschönen Stücken aus der Zeit der Romantik, teils mit unvergesslichen „Ohrwürmern“.

Den Anfang machten drei „Lieder ohne Worte“, ein Duo-Werk von Felix Mendelssohn Bartholdy, das postum hinterlassen wurde und zwei Jahre vor seinem frühen Tod entstand. Silke Avenhaus am Klavier und Razvan Popovici an der Viola interpretierten das Stück träumerisch, langsam, verspielt – eine berührende Mischung von Schatten und Licht. Viel Schatten herrschte dann bei Franz Schuberts tief melancholischer „Fantasie für Klavier“, vierhändig in f-Moll D940, einfühlsam gespielt von Silke Avenhaus und Diana Ketler.

Aufatmen konnte das begeisterte Publikum wieder beim ebenso romantisch anmutenden „Adagio e Allegro“ von Robert Schumann für Violoncello (Justus Grimm) und Klavier (Diana Ketler) – „prächtig, frisch und leidenschaftlich“, wie es Clara Schumann beim ersten Anhören einst beschrieben hatte. Robert Schumann hatte das Stück 1849 innerhalb von nur vier Tagen für Klavier und Horn geschrieben, aber arrangierte es nachträglich auch für Violine. Das Klaviertrio in g-Moll, opus 17, von Clara Schumann folgte nach der Pause. Ein fein abgewogenes Stück für Violine (Alexandra Conunova), Klavier (Diana Ketler) und und Violoncello (Justus Grimm), die zusammen in fröhlicher, variantenreicher Ausdruckskraft musizierten, dass es eine Freude war.

Clara Schumann, geborene Wieck, die Frau von Robert Schumann, war zwar die „berühmteste Pianistin ihrer Zeit“, wie es in einer Musikzeitschrift von damals hieß, aber ihre Anerkennung als Komponistin blieb weit dahinter zurück. Nach ihrer Hochzeit mit Robert blieb fürs Komponieren auch kaum noch Zeit, denn sie bekam sieben Kinder, für die sie nach dem Tod ihres Mannes alleine sorgen musste. Dabei hatte sich schon 1835 Chopin sehr anerkennend über ihre Fähigkeit als Komponistin geäußert, ebenso wie die sie umgebenden männlichen Kollegen wie Liszt, Mendelssohn, Moscheles oder Thalberg.

Den krönenden Abschluss der Matinee bildete die Konzertfantasie nach Themen aus „Porgy und Bess“ von George Gershwin, die Igor Frolov für Violine und Klavier umgearbeitet hatte. Dabei gab es nun beinahe keinen Schatten mehr – die überschäumende Energie des Stückes, sein Temperament und die vielen unvergesslichen Melodien fesselten das Publikum mit ansteckender Spiel- und Lebensfreude.

Am Ende gab es nicht enden wollenden Applaus, Trampeln, Bravorufe und stehende Ovationen. So war der Abschied von der beliebten Konzertreihe mal wieder nicht leicht, aber Razvan Popovici tröstete im Ausblick auf den nächsten, 24. Musikfrühling, und versprach, der werde im nächsten Jahr früher, schon im April bis Anfang Mai stattfinden.

Christiane Giesen

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