Oberaudorf – Es ist so eine Sache mit dem Heiligen Geist. In der Bibel lässt sich nachlesen, was damit gemeint ist: Christus haucht ihn an Pfingsten den Jüngern als Beistand über alle Zeiten hinweg ein, was verstandesmäßig kaum mehr zu erfassen ist. Wenn der Verstand nicht mehr ausreicht, dann braucht es das Herz – und das lässt sich am besten durch Musik bewegen.
Das beweist der Oberaudorfer Kirchenmusiker Hans Berger seit Jahrzehnten: 50 Jahre ist er heuer mit Bravour in diesem Genre tätig. Mit seinem neuesten Werk, dem Pfingstoratorium „Komm, Schöpfer Geist“, rundet er die Hochfeste der katholischen Kirche schlüssig ab. Am vergangenen Pfingstmontag wurde das Werk mit dem Montini-Chor, dem Rosmarien-Dreigsang, dem Audorfer Dreigsang sowie dem Großen Ensemble Hans Berger in der Pfarrkirche Oberaudorf nach der Uraufführung 2025 im Baringer Münster sozusagen in Bergers Heimat aufgeführt. Es ist ein gespielter und gesungener Lobpreis auf die Wirkkraft des Heiligen Geistes: rührend, berührend, mitreißend.
Hans Berger ist ein Meister in der authentischen Vermittlung von Glaubensinhalten durch seine Kompositionen. Die tiefgründigen Texte sind beheimatet in seinem ureigenen Klangkosmos, den Bergers treue Anhänger seit Jahren lieb gewonnen haben. Und sie bewiesen ihre Treue auch beim Pfingstoratorium: Sogar die Emporen der Oberaudorfer Pfarrkirche waren dicht gefüllt.
Berger verbindet geschickt traditionelle Volksmusik mit der Vertonung moderner Gebete, etwa von der Ordensschwester Silja Walter, oder zitiert anrührend aus den Schöpfungsliedern von Helmut Zöpfl. Alpenländische Landler werden dabei als stille Zwischenspiele eingestreut. Und dann sprengt Hans Berger alle bisherigen Dimensionen seiner Konzerte. Er lässt die Zuhörer im Laufe des Abends einfach mitsingen – ganz nach dem Motto, das er selbst zu Beginn ausgegeben hatte: Die Kirche solle singen! Und das taten die Konzertbesucher mit Hingabe, frei nach dem Lied aus dem Gotteslob: „Erde singe, dass es klinge, laut und stark dein Jubellied!“
Dieser Jubelgesang mündete in die Heilig-Geist-Fassung von „Weit ist das Meer“, die ebenfalls in einem Freudenausbruch endet: „Der Geist des Herrn durchweht das All, er krönt mit Jubel Berg und Tal.“ Das Gotteshaus erbebte förmlich unter dem Pauken- und Trompetenfinale, das sich mit dem „Te Deum“ endgültig „herzwärts“ verortete: „Großer Gott, wir loben dich!“ Stehende Ovationen für das neue Werk des Kirchenmusikers, der Anfang Juni mit der Orlando-di-Lasso-Medaille aufgrund seiner herausragenden kirchenmusikalischen Verdienste auf musikforschendem, kompositorischem, musikkulturellem wie auch musikerzieherischem Gebiet ausgezeichnet wird. Eva-Maria Gruber